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Bald schon sehen Sie hier vielleicht nichts mehr

Wir müssen über die Zukunft reden, liebe Alternativmedien. Und zwar jetzt, ehe es zu spät ist. Unsere Existenz ist seit geraumer Zeit prekär. Wir stehen jetzt an einem Punkt, wo es unserem Ende entgegengehen könnte. Planung tut Not. Ein Aufruf!

Von Redaktion Neulandrebellen

Die Schlinge zieht sich ja nun seit einigen Jahren immer enger zu. Einige Alternativmedien sind bereits verschwunden – oder korrekter: wurden bereits verschwunden. Etliche Alternative ringen mit Banken und Sparkassen darum, ihr Girokonto behalten zu dürfen. Andere sehen sich der Löschung ihrer Kanäle ausgesetzt. Oder sie berichten, dass sie oder ihre Familien von Staatsanwaltschaften und Polizei belästigt werden. Die Erklärungen für dieses repressive Vorgehen sind immer dieselben: Alternativmedien würden Fake verbreiten, Falschinformationen streuen und überdies seien sie die Anlaufstelle vermeintlich rechter Bürgerinnen und Bürger. Diese Situation wird sich vermutlich demnächst noch verschärfen.

Diese Einschätzung ist unter Berücksichtigung jenes geleakten Papieres namens »Laufende Aktivitäten der Ressorts und Behörden gegen Desinformation im Zusammenhang mit RUS Krieg gegen UKR« zu sehen, von dem Florian Warweg im Laufe dieser Woche berichtete. Es wird zu erwarten sein, dass es im eintretenden Ernstfall den Alternativmedien an den Kragen gehen wird. Zumindest jenen von ihnen, die sich nicht unter das herrschende Narrativ ordnen wollen. Und das werden, es sei nochmal auf jenes den NachDenkSeiten zugespielte Papier verwiesen, lediglich Alternativmedien sein – der Mainstream ist längst auf narrativem Kurs. Der Feldzug gegen die Alternativmedien geht mit Beginn des Ernstfalles wahrscheinlich in seine finale Phase.

Was wir Kritik nennen, werden sie bald als Defätismus verfolgen

Die Szenerie hat sich zugespitzt, wer auch immer für die Sprengung von Nord Stream verantwortlich ist: Er hat die Brücken hinter uns abgebrannt. Zukunft ist nach vorne immer offen. Das mag wohl stimmen. Aber die offenen Wege, die demnächst beschritten werden könnten: Sie scheinen limitierter zu sein als noch vor einer Woche. Vor etwa zwei Wochen sprach Sahra Wagenknecht im Bundestag von einem Wirtschaftskrieg. Sie erntete Empörung. Es ist erst einige Tage her, da twitterte Christian Lindner von einem Energiekrieg. Reaktion: Schweigen im Walde. Dass wir aber schon in einen wie auch immer zu bezeichnenden Krieg verwickelt sind, scheint nur noch Auslegungssache zu sein. Überdies ist es nicht ausgeschlossen, dass diese Regierung in die Rolle eines aktiven Kriegsparts hineinrutscht.

Tritt dieser Ernstfall ein – oder aber der Ernstfall akuter Energieengpässe bei sich steigernder Unmut der Bevölkerung –, so wird diese Regierung all jene an die kurze Leine nehmen (müssen), die sie kritisieren und somit Öl in ein Feuer gießen, dass sie entzündet hat mit ihrer falschen Politik. Keine Regierung kann es sich in einer solchen Lage leisten, die Meinungs- und Pressefreiheit einfach laufen zu lassen. Das tut die Regierung heute schon nicht, wie wir aus dem genannten Gleichschaltungspaper wissen. Sie synchronisiert das, was gerade noch so zum Ausdruck gebracht werden darf und hat die Mainstreammedien, Abgeordnete, Verbände, sogenannte Faktenchecker und selbst die Schulen in ihrer Hand. Bei unabhängigen Alternativmedien funktioniert diese Gleichschaltung nicht – jedenfalls bei vielen dieser Alternativmedienangebote ist das so.

Es ist zu erwarten, dass mit Eintritt potenzieller Ernstfälle alles dagegen unternommen wird, sogenannte Defätisten zum Schweigen zu bringen. Moralzersetzer gefährden dann den inneren Frieden – und vielleicht, wenn es ganz arg kommt, auch den inneren Burgfrieden im Angesicht des Feindes. Nicht ausgeschlossen, dass man Straftatbestände ersinnt, die greifen, wenn jemand die Bundesregierung anzweifelt, über ihre politischen Motive spekuliert oder zugespielte Papiere veröffentlicht. Die Innenministerin lässt bereits jetzt immer wieder anklingen, dass Kritik an der Regierung kontraproduktiv sei, als sei es nicht das gute Recht der Bürger, Kritik zu üben. Vielleicht wird man die Stromknappheit als mögliche Sanktion anwenden, den Strom einteilen und nur solchen Medien Energie zuschanzen, die auf Kurs sind.

Quantitätsmedien vs. Qualitätsmedien

Nach über zwei Jahren Corona-Politik, die mehr und mehr die Menschlichkeit, die Logik, Angemessenheit und den Anstand aufgab, müssen wir mit allem rechnen. Der Zeitgeist dieser Zeitenwende ist radikal, irrational und wohl zu allen Schandtaten bereit. Die Niedertracht kennt nur noch wenige Grenzen. Wenn wir uns eine Möglichkeit denken können, die angewandt werden könnte, um lästige Alternativmedien in die Schranken zu weisen, dann sollten wir auch annehmen, dass diese Möglichkeit mindestens in Erwägung gezogen wird. Das ist keine Paranoia, sondern bittere Erfahrung der letzten Jahre. Eine Lebenserfahrung, die sich zuletzt vielen von uns eingebrannt hat.

Mainstream gegen Alternativmedien: Diese Gegenüberstellung ist alt, seit mehr als einem Jahrzehnt stehen sich diese Pole kritisch bis hasserfüllt gegenüber. Dann ging es in ein offenes Gefecht über. Die Fronten verhärteten sich. Insbesondere die Mainstreammedien schossen scharf. Für sie war alles, was nicht aus ihrem Stall kam, halbseiden und journalistisch bedeutungslos. Aber immer mehr Menschen wanderten zu den Alternativmedien ab, sodass man anfing, Kampagnen gegen die Alternativen zu fahren. Erst belächelten sie die Alternativmedien, dann pathologisierten sie sie. Der logische nächste Schritt, der bereits jetzt immer wieder aufblitzt, ist die Kriminalisierung. Für diese letzte Phase benötigt man einen Notstand. Drastische Rahmenbedingungen, die Eingriffe als gerechtfertigt erscheinen lassen. Dieser Winter könnte gewissermaßen das Endlevel zwischen Quantitätsmedien und Qualitätsmedien werden.

Kurz und gut: Unser aller Geschäftsmodell, unsere Blogs, Kanäle, Accounts, ja für viele von uns auch unsere Existenzgrundlage und für alle von uns unsere Freude an dem, was wir tun, wird bald schon bedrängt werden. Wir werden in einer Kriegswirtschaft als entbehrlich betrachtet werden. Und schlimmer noch: Als gefährlich! Lobby haben wir keine, die Mainstreammedien werden das nicht bedauern und mit der Pressefreiheit argumentieren, sie werden die Stimmung eher anheizen, uns als Defätisten, Schwarzseher und Aufwiegler diskreditieren und sich so die Oberhoheit über die Berichtersattung zurückholen wollen.

Macht euch Gedanken: Wie ausweichen?

Dieser Text kommt daher einem Aufruf gleich: Alternativmedien, macht euch Gedanken! Wie können wir dem ausweichen? Klar, die meisten von uns – auch wir – sind mittlerweile auf Telegram ausgewichen. Auch weil sie bereits Kanäle auf anderen Plattformen verloren haben. Wie kann man die Abonnenten und Follower mitziehen? Das ist bei einem Umzug stets das größte Problem? Was aber, wenn man unsere Seiten in Deutschland sperrt.

Dass das zumindest ansatzweise geht, hat man im Umgang mit RT aufgezeigt. Ausweichmöglichkeiten und Seitenumleitungen gibt es, aber auch in so einem Fall werden nicht mehr alle Leser erreicht. Werden Seitenumleitungen nicht vielleicht sogar straftatrelevant? Lohnt es sich daher Texte auf Telegram zu publizieren? In China machen das kritische Autoren. Sie veröffentlichen ganze Artikel bei WeChat. Natürlich werden die Texte auch häufig schnell zensiert, aber bis die Löschung eintritt, haben vielleicht Hunderttausende den Text schon gelesen und – wie mir ein chinesischer Autor erzählte – ausgedruckt, um sie Freunden zu zeigen.

Die Subversion findet immer Wege. Aber wie finanziert man sich, wenn man Autor bei Telegram ist. Die üblichen Wege scheinen hier verschlossen? Auch die Frage müssen wir uns stellen: Machen wir dann überhaupt weiter, auch dann, wenn die Finanzierung wegbricht? Einige von uns werden sich dann anders verdingen müssen, ihnen wird hernach die Zeit fehlen. Falls man unsere Seiten nicht gleich sperrt, man aber Straftatbestände einführt, die Defätismus beinhalten: Wäre der Weg begehbar, den Bands oder Poeten aus der DDR zuweilen beschritten? Also poetischer umschreiben, Metaphern statt Fakten, Historisches in den aktuellen Kontext setzen? Ist das dann noch alternativer Journalismus?

RT ist jetzt über Odysee zu finden. VK könnte ein Alternativ-Facebook werden. Und Rumble könnte YouTube ersetzen, ist aber mindestens noch einer Nummer kleiner als YouTube. Auch dort erreicht man weniger Menschen. Was wenn man uns den Saft abdreht? Gehen wir den analogen Weg? Jedenfalls für eine Weile? Wie organisiert man das, wie kann man die Kosten, die der analoge Weg verursacht, minimal halten? Zurück zum Flugblatt? Hat das überhaupt noch Chancen?

Wir waren schon wer

Wir sollten uns Gedanken machen. Und das am besten jetzt, solange man uns noch lässt. Die Zeichen der Zeit stehen nicht günstig, schon bald könnte die Ausdünnung der alternativen Medien stattfinden. Auch wenn wir uns wiederholen, dieses geleakte Papier, von dem oben die Rede war, ist nicht nur einfach ein skandalöser Vorgang der Gleichschaltung in diesem Lande.

In diesem Vorgang steckt noch eine ganz wesentliche Erkenntnis, die sich nicht leugnen lässt: Die Gleichschaltung ist ein Generalangriff auf alle unabhängigen und kritischen Medienangebote aus dem Alternativsektor. Die Quantitätsmedien sind längst gleichgeschaltet, sie taumeln höchstens im viel zu engen Meinungskorridor mal hier, mal dort hin. Aber in dieser Millimeter-Enge ist ein Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand nicht Teil der Agenda.

Und auch wenn es nicht realistisch erscheint: Im Grunde müssten wir uns, liebe Alternativmedien, mal zusammensetzen. Alle, egal aus welchem Lager man kommt und ob man sich wirklich schätzt oder auch nicht so sehr. Es könnte schon bald um was viel Grundsätzlicheres gehen, als um Stallgeruch und Lagerkoller.

Klar ist auch, dass uns einige von euch als paranoid abtun könnten. Schön wäre es indes, wenn ihr recht hättet. Dann entschuldigt diesen Versuch eines Aufrufs. Aber was, wenn wir den Zeitgeist richtig deuten und ihr nicht? Dann können wir uns immer noch irgendwann mal auf ein Bier treffen und der schönen Tage gedenken, die wir als Alternativmedienmacher damals erlebten.

Wir waren schon wer. So ein bisschen jedenfalls. Jeder auf seine Weise. Ein bunter Haufen. Viele kritische Stimmen. Sachliche. Poetische. Schreiber. Videoblogger. Audiotexter. Und alle versuchten die Lücken, Unterlassungen und Propaganda der Staatsmedien und des Mainstreams aufzufangen. Mal besser, mal schlechter. Aber immer mit dem Anspruch auf Vollumfänglichkeit. Ja, wir waren schon wer. Aber die Zeiten kommen wohl nie mehr zurück

Bild: Drohendes Verbot der Redefreiheit
Autor: dunno design lab
Quelle: rawpixel.com
Lizenz: public domain
Textquelle

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