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Zehntausende Jahre altes Virus wiederbelebt

Viren sind ein äußerst beliebtes Forschungsspielzeug, darum lässt man sich auch keine Gelegenheit entgehen, immer neue Puzzleteile aus der evolutionären Kiste zu holen.

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Immer, wenn es weltweit etwas zu hören und zu sehen gibt, was auch nur ansatzweise nach Wissenschaft riecht, ist das bunte Populärmagazin „Spektrum der Wissenschaft“ ganz vorne dabei, damit die Leserschaft zu erfreuen. Und geht es um Viren, ist besondere Aufmerksamkeit sicher. Die gefrorenen Böden Sibiriens oder Kanadas geben ständig eine Menge totes Pflanzenmaterial, aber auch Tierkadaver frei, wie etwa ein „Mammutbaby“. Darin enthaltene Keime können allerdings tausende von Jahre erhalten bleiben und sogar wieder aktiv werden.

Man freut sich daher über die „Wiederbelebung“ eines zehntausende Jahre alten Virus durch ein Forscherteam rund um Jean-Marie Alempic vom CNRS in Marseille. Diesem soll es gelungen sein, 13 bisher unbekannte Virentypen Proben nachzuweisen, die von Funden aus den Permafrostböden der nördlichen Erdhalbkugel stammen. Im Abstract einer noch unveröffentlichten Pre-Print Studie in bioRxiv (nicht peer-reviewed) wird thematisch umrissen, dass ein Teil der aus dem Permafrost – natürlich durch den Klimawandel – freigelegten organischen Materie aus zellularer Materie wie Pro- und Eukarionten, aber auch aus „schlafenden“ Viren besteht. Über Letztere gäbe es nur wenige Veröffentlichungen, die zudem den Eindruck erweckten, solche „Zombie-Viren“ seien keine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit. Nicht wenige davon könnten uns jedoch gefährlich werden.

Die Virenbüchse der Pandora

Als Weltrekord bezeichnet man es, wenn Forscher es sogar schaffen, ein geschätzt 50.000 Jahre altes Virus, das im Eis überdauert hatte, in Laborkulturen wieder „zum Leben zu erwecken“. Dieser bisherige Rekordhalter ist ein Riesenvirus namens Pandoravirus yedoma, das Amöben infiziert und ist schon im gewöhnlichen Lichtmikroskop sichtbar ist. Es stammt aus einer Bodenprobe, die unterhalb (!) eines arktischen Sees genommen wurde (wo es besser auch geblieben wäre). Viele weitere Viren aus den Überresten toter Tiere konnten ebenfalls Amöben infizieren und erneut virulent werden. Von diesen wird es zweifelsohne Tausende im Permafrost geben, die auch Menschen infizieren „könnten“.

Wie man hier immer neue Risiken ausgräbt, kann sich der Durchschnittsverstand ausmalen. Ob uns allerdings das größte Risiko ständig von den damit herumspielenden Forschern droht, das zu vermuten, gehört sich natürlich nicht. Was schon so alles aus Laboren „entkommen“ ist oder noch entkommen kann, nur weil die kleinen und großen Frankensteins es niemals lassen werden, mit ihren geliebten Lego-Steinen herumzuspielen, davon haben wir einen Vorgeschmack wohl bereits erlebt. Der Forschung ist das aber noch lange nicht genug, denn es gibt ja immer neue lukrative Blumentöpfe zu gewinnen in diesem mehr als fragwürdigen viralen Roulette, das am Ende nur einem auf den Kopf fallen kann – uns selbst.

Bild: Russisches Roulette
Autor: MikeGunner
Quelle: pixabay.com
Lizenz: public domain
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