StartWissenschaftMilitär und Gates-Stiftung fördern Gen-Manipulationen

Militär und Gates-Stiftung fördern Gen-Manipulationen

Gentechnik dient der «Optimierung» von Pflanzen und Tieren, aber auch der Veränderung von Erbmerkmalen bei Menschen. In einem ersten Teil ging es darum, dass das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel steht, wenn das Militär Viren und Gen-Manipulation für seine Zwecke nutzt. Das Virus Sars-CoV-2 könnte als Warnung für eingegangene Risiken dienen. 

Von Urs P. Gasche

Dieser zweite Teil zeigt, wie Manipulationsmöglichkeiten des Menschen wenig reguliert erforscht werden, und wie sich die Bill & Melinda Gates-Stiftung gegen mehr Regulierung wehrt.

In der Öffentlichkeit spricht man nur von den nützlichen Anwendungen der Gene-Drive-Technik bei Tieren, beispielsweise vom Ausrotten von Mückenarten, welche Malaria übertragen (ein Projekt, das von der Gates-Stiftung finanziert wird), oder von Gentherapien beim Menschen. Bei dieser «synthetischen Biologie» gibt es Sicherheitsprobleme.

Das Militär ist am Einsatz der Gene-Drive-Technik als potenter biologischer Waffe interessiert. Diese Technik kann zu militärischen oder terroristischen Zwecken missbraucht werden. So könnten beispielsweise Mücken so verändert werden, dass sie auf Menschen einen Krankheitserreger oder ein Gift übertragen, wobei der Hersteller-Staat gleichzeitig für sich ein Gegenmittel (Antidot) entwickelt. Über diese geheime Forschung erfährt die Öffentlichkeit kaum etwas außer Dementis.

Manipulation der Menschen ist im Militär üblich

«Human Enhancement (HE) oder Human Performance Enhancement (HPE) stehen in der jüngsten Vergangenheit sowohl national wie international vermehrt im Fokus von Forschungsaktivitäten», heißt es in einer Studie von 2018 der deutschen Bundeswehr: «So hat sich die ‹NATO Science and Technology Organisation› bereits 2009 mit dieser Thematik beschäftigt, national steht HE im Fokus zahlreicher Aktivitäten zur Zukunftsplanung der Bundeswehr.» In multinationalen Einsätzen werde beispielsweise Modafinil zur Förderung der Wachheit bereits eingesetzt. Die vornehmlich medikamentöse Leistungssteigerung sei für das Militär eine Herausforderung.

Die Zukunft liege bei genetischem Engineering und bei neuralen Implantationen (Stichwort: «super-human capabilities», auf deutsch «übermenschliche Fähigkeiten»). Ziel sei es, «die Leistungsfähigkeit in einer Art zu erweitern, die über das individuell maximale Potenzial hinausgeht».Eine Militärmacht könnte sich beispielsweise einen großen Vorteil verschaffen, wenn das eigene Militärpersonal auf viel weniger Schlaf angewiesen wäre, heißt es in einer Studie von 2008, die vom Pentagon finanziert wurde.

In einer 2021 veröffentlichten Studie des staatlichen Development, Concepts and Doctrine Centre (DCDC) in England, die in Zusammenarbeit mit dem Planungsamt der Bundeswehr entstand, wird als eines der «wichtigsten Ergebnisse» aufgeführt: «Human Augmentation kann zu grundlegend neuen Konzepten der Kriegsführung führen. In den nächsten 30 Jahren ist es möglich, dass einzelne Soldaten in der Lage sein werden, erhöhte oder vielfältigere operative Effekte zu erzielen, die Auswirkungen auf unsere Streitkräftestruktur, unser Ausrüstungsprogramm und unsere Doktrin haben.»

Spezifisch militärische Zwecke verfolgt auch die «Human Performance Degradation». Die biophysikalischen Fähigkeiten von Gegnern sollen reduziert werden unter anderem «durch Ermüdung, Erschöpfung, Krankheiten, Leistungsabfall». So steht es in einem Bericht vom März 2021 der «Multinational Capability Development Campaign» des britischen Verteidigungsministeriums unter der Projektleitung des «German Institute for Defence and Strategic Studies», das mit der Bundeswehr zusammenarbeitet. Bei der «Human Performance Degradation» gehe es um Technologien, die das Nervensystem beeinträchtigen, kognitive Funktionen ausschalten und die Wahrnehmung, das Denkvermögen, die Sprache, das Gedächtnis oder das Gleichgewicht beeinträchtigen, heißt es im Bericht vom März 2021.

In einem Buch über die Rechtmäßigkeit solcher Technologien, das 2018 erschien, heißt es: «Technologien zur Schädigung des Menschen schwächen die sensorisch-motorischen Funktionen des menschlichen Körpers, was je nach Vorerkrankungen oder anderen Faktoren wie Alter und Geschlecht tödlich sein kann.»

Die dem Bündnis 90/Die Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung verlangt ein Moratorium der Gen Drive-Forschung. Und die europäische Initiative Save Our Seeds (SOS) koordiniert eine «Stop Gene Drive Campaign».

Die Bill & Melinda Gates-Stiftung bekämpfte eine Regulierung der Gene-Drive-Technik

Was feststeht: Auch das US-Militär (und es ist wohl nicht das einzige) finanziert die Forschung auf diesem Gebiet. Folglich muss diese Forschung auch militärisch nutzbaren Zielen dienen. Die Gene-Drive-Technik bezweckt das beschleunigte Ausbreiten von Genen in Teilen der Bevölkerung. Die großen Finanzierer dieser Gen-Technik – darunter die Bill&Melinda Gates-Foundation – haben kein Interesse daran, dass diese Forschung reguliert wird, etwa um große Risiken auszuschließen und die Haftung der Forschungsinstitute zu regeln.

Als es innerhalb der Uno im Jahr 2017 Anstrengungen zur internationalen Regulierung gab, beauftragte die Bill & Melinda Gates-Foundation eine private, auf den Biotech-Bereich spezialisierte PR-Firma damit, verdeckt eine Lobby zu organisieren mit dem Ziel, eine mögliche Regulierung der Gen-Drive-Technologie in der Uno zu verhindern.

An die Öffentlichkeit kamen diese verdeckte Lobby-Arbeit und die Rolle der Bill & Melinda Gates-Foundation nur dank des US-Öffentlichkeitsgesetzes FOIA. Die Dokumente bekamen den Namen «Gene-Drive-Files». Solche Lobby-Aktivitäten hinter den Kulissen kommen selten ans Tageslicht. Trotzdem fanden sie in den großen Medien wenig Beachtung. Die «Heinrich-Böll-Stiftung» wertete die «Gene-Drive-Files» im Dezember 2017 aus.

Im Folgenden einige Auszüge im Wortlaut:

Die Lobby-Strategie der Gates-Stiftung

Die Gene Drive Files bestehen aus E-Mails, die Prickly Research dank des FOIA erhielt. Sie legen offen, dass eine private Beratungsfirma namens «Emerging Ag» von der Bill&Melinda Gates-Foundation Geld erhielt mit folgendem Ziel: «Fight back against gene drive moratorium proponents».

Im Namen eines Projektes, das sich «Gene Drive Research Sponsors and Supporters Coalition» nannte, rekrutierte «Emerging Ag» heimlich 65 angeblich unabhängige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Beamte, um sie in eine Online-Expertengruppe einzuschleusen. «Emerging Ag» hat seine «Freiwilligen» gut instruiert und sie mit täglichen Empfehlungen versehen, wie sie das Online-Forum beeinflussen sollten.

Zu denjenigen, die diese Aktion von «Emerging Ag» koordinierend begleiteten, gehörten ein leitender Angestellter der Gates-Foundation und mindestens drei Mitglieder eines UN-Expertenausschusses, der AHTEG (Ad Hoc Technical Expert Group), die sich mit Synthetic Biology beschäftigt. Zwei der AHTEG-Mitglieder sind Todd Kuiken von der North Carolina State University und Paul Freemont vom Imperial College London. Sie repräsentieren Institutionen, die zusammengenommen mindestens 100 Millionen Dollar Forschungsgelder vom US-Militär und von philanthropischen privaten Stiftungen erhalten haben, um explizit Gene Drives zu entwickeln und zu testen.1

Die offengelegten Dokumente belegen auch, dass «Emerging Ag» mit der Biotech-Lobbygruppe «Public Research and Regulation Initiative» (PRRI) zusammenarbeitete, die auf das gleiche Ziel hin lobbyierte. Die Tätigkeit von PRRI wird detailliert in E-Mails beschrieben, die ein Vertreter der kanadischen Regierung erhielt, der ebenfalls Mitglied im AHTEG ist. In diesen E-Mails spricht PRRI über eine «backup operation» für «like-minded» Regierungs- und Industrieexperten, die im AHTEG sitzen. Eine E-Mail legt nahe, dass Regierungsvertreter/innen aus Kanada, USA, Brasilien und den Niederlanden während nicht-öffentlicher Verhandlungen von PRRI instruiert und beraten wurden. Die «Gene Drive Research Sponsors and Supporters Coalition» hat demnach angeboten, das US-Department of Agriculture zu kontaktieren, um eine weitere Finanzierung für PRRI-Aktivitäten zu erhalten.

Aber das ist nicht alles. Die «Gene Drive Files» belegen eine führende Rolle des US-Militärs bei der Entwicklung der Gene-Drive-Technologie: Die DARPA (US-Defense Advanced Research Projects Agency) finanzierte die Erforschung von Gene Drives mit rund 100 Millionen Dollar. Das sind 35 Millionen Dollar mehr als zuvor bekannt. Damit ist diese Behörde des US-Verteidigungsministeriums die weltweit größte Finanziererin dieser gefährlichen Technologie.2 Die E-Mails belegen auch, dass die DARPA alle wichtigen Player in diesem Feld entweder finanziell unterstützt oder sich mit ihnen abstimmt.

Die DARPA (US-Defense Advanced Research Projects Agency) finanziert nicht nur Forschung in den USA, sondern ebenfalls Gene Drive-Forschung in Australien (u.a. eine australische Regierungsbehörde, CSIRO) und in Großbritannien. Die Dokumente legen zudem ein hohes Interesse anderer Sektionen der US-Militär- und Geheimdienstbehörden offen.

Forscher wollen nicht mit dem Militär in Verbindung gebracht werden

Aus den vorliegenden Dokumenten ergeben sich offene Fragen, was die Beziehung zwischen dieser Behörde des US-Verteidigungsministeriums und einem der prominenten Projekte zum Thema Gene Drives betrifft: Target Malaria.

Target Malaria will Gene Drives in Afrika anwenden und behauptet stets, dass es dort keine militärische Agenda gebe. Aber nun legen E-Mails von DARPAs Safe Genes Manager Renee Wegryzn nahe, dass Andrea Crisanti, Mitarbeiterin von Target Malaria, auch eine wichtige Rolle in dem Safe Genes-Projekt von DARPA spielt.

Eine Verbindung zum Militär möchten Gene Drive-Forscher möglichst nicht offenlegen. Das gilt nicht nur für Target Malaria, sondern u.a. auch für Island Conservation.

Die Gene Drive-Files belegen zweifelsfrei die «recommended strategy and talking points» von Heath Packard, Vertreter der Island Conservation. Er sorgt sich über mögliche öffentliche Kritik wegen der Finanzierung durch DARPA: «Knowing that the U.S. Dept. of Defense has obviously concluded that it will be used for nefarious (dual-use) purposes, maybe against our own people?» Deshalb empfiehlt er seinen Gene Drives Forschern, die guten Absichten des Teams herauszustreichen, sich auf die DARPA Finanzierung in der Vergangenheit zu beziehen und auf schwierige Fragen ausweichend zu antworten.

Bild: Eine Person im Vollschutzanzug inmitten von Gefahrstoffen
Autor: unbekannt
Quelle: piqsels.com
Lizenz: public domain
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