StartWirtschaftVom Dollar-Dogma zum Dollar-Dilemma und Beginn eines Währungskrieges

Vom Dollar-Dogma zum Dollar-Dilemma und Beginn eines Währungskrieges

Anhand der russischen Terminologie für westliche Politiker konnte man schon früher die Einstellung Russlands zu anderen Staaten erkennen. Waren es einmal deren Freunde, wurden daraus im Zuge westlicher Sanktionspolitik auf einmal Partner und zuletzt wurden aus den Partnern Kollegen. Nun ist eine neue Bezeichnung hinzugekommen: Unfreundliche Staaten.

Von Jürgen Apitzsch

Das ist zwar noch ein Stückchen entfernt von Gegnern oder gar Feinden, zeigt jedoch zugleich, dass Russland trotz aller Deeskalationsbemühungen gegenüber westlichen Staaten so langsam die Nase voll hat.

Ab sofort, so der russische Präsident, wird Russland fossile Rohstoffe an unfreundliche Staaten nur noch gegen Rubel liefern. Russland hat damit nicht nur das Ende des Dollars eingeleitet, sondern auch das Ende des Euros.

Putin zufolge plant Russland die Aufgabe aller ‚kompromittierten‘ Währungen. Dies ist nicht zuletzt die Reaktion auf die Entscheidung des Westens, russische Vermögenswerte einzufrieren. Dies habe, so Putin, jegliches Vertrauen in die Währungen dieser Länder zerstört. Putin dazu wörtlich:

„In den letzten Wochen hat der Westen illegitime Entscheidungen getroffen, russische Vermögenswerte einzufrieren. Der Westen hat einen Strich unter die Verlässlichkeit seiner Währungen gezogen, das Vertrauen in diese Währungen verloren. Sowohl die USA als auch die EU sind ihren Verpflichtungen gegenüber Russland nicht nachgekommen“, so der russische Präsident. Er ergänzte:

„Unsere Waren in die EU und die USA zu liefern, um Zahlungen in Dollar zu erhalten, macht für uns keinen Sinn. Es wurde beschlossen, die Überweisung der Zahlung für Erdgas, das an unfreundliche Länder geliefert wird, in russischen Rubel durchzuführen. Wir lehnen es ab, alle kompromittierten Währungen zu verwenden.“

Putin versicherte den Abnehmerstaaten weiterhin die gleichen Liefermengen an fossilen Brennstoffen zu, auch die Preise bleiben stabil. Ändern wird sich lediglich die Währung, in denen die Rohstoffe künftig gehandelt werden. Künftig müssten diese Lieferungen in Rubel fakturiert werden.

Zugleich wies Putin die russische Zentralbank an, allen westlichen Unternehmen die Möglichkeit zu garantieren, Rubel auf dem russischen Markt zu kaufen. Der Aufsichtsbehörde wurde eine Woche Zeit gegeben, um ein Verfahren zur Durchführung von Transaktionen in russischer Währung zu entwickeln.

Die Währungsbombe zeigt erste Wirkungen

Direkt nach dieser Ankündigung verlor der Dollar gegenüber dem Rubel 8,3 Prozent. Marktbeobachter befürchten, der Westen stehe nun unmittelbar am Rande eine wirtschaftlichen Kernschmelze. Anstatt Russlands Währung wie bisher zu boykottieren, ist der Westen nun gezwungen, die russische Währung zu stützen, will er auch weiterhin Öl und Gas aus Russland beziehen. Andernfalls riskierte der Westen Gaspreise von 4000 Dollar und mehr je 1000 Kubikmeter.

Für Russland birgt diese Entscheidungen eine ganze Reihe von Vorteilen. Der Rubel wird stabilisiert, der Lebensstandart in Russland wird dadurch steigen und die Inflation in dem eurasischen Land wird sinken. Zugleich wird die Vormachtstellung des US-Dollars abnehmen, da auch Staaten wie Indien und Saudi Arabien künftige Geschäfte mit Russland und China in deren Landeswährung abschließen werden. Dadurch, dass immer mehr Staaten, darunter auch Industriestaaten, auf die amerikanischen Währung verzichten, wird es von Jahr zu Jahr schwerer für die USA werden, ihre exorbitant hohen Rüstungsbudgets zu finanzieren. Die Welt könnte friedlicher werden.

Interessanterweise erfolgte Putins Ankündigung zum Zeitpunkt des NATO-Gipfeltreffens in Brüssel, zu dem auch US-Präsident Joe Biden angereist ist. Dieser wird nicht nur dem anstehenden G7-Treffen im Juni beiwohnen, sondern auch einem Zusammentreffen des Europäischen Rates am 16. Mai. Anschließend will Biden seinem Amtskollegen in Polen einen Besuch abstatten. Die Herrschaften werden viel zu besprechen haben.

Bild: Goldrubel Vorder- und Rückseite
Autor: cgb
Quelle: wikimedia.org
Lizenz: CC BY-SA 3.0

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