StartAsienDie Geburtswehen der „Neuen Welt“

Die Geburtswehen der „Neuen Welt“

„Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande?“ zitierte Papst Benedikt XVI. am 22. September 2011 in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag den spätantiken Kirchenlehrer Augustinus von Hippo.

Von Dan Mueller

Nach Ansicht von Germano Dottori, Professor für Internationale Sicherheit und für Strategische Studien in Rom, wurde der deutsche Papst wenig später mithilfe finanzieller Erpressung durch amerikanische Regierungskreise nicht nur deshalb aus dem Amt gedrängt, weil er sich der Islamisierung des Westens entgegengestellt, sondern auch, weil er sich geopolitisch für eine europäische Integration Russlands eingesetzt habe.

Die Räuberbande, von der Benedikt XVI. sprach, war zu diesem Zeitpunkt bereits von der Leine gelassen. Sogar schon nach dem oberflächlichen Studium des Libyenkriegs 2011 konnte der Beobachter des politischen Geschehens erkennen, was Absprachen und Verträge mit den westlichen Demokratien wert sind: Nichts. Und was deren Devisen, vor allem Dollar, Euro und Pfund, im Zweifelsfall noch wert sind: ebenfalls nichts, vor allem dann nicht, wenn sie auf Konten der westlichen Wertegemeinschaft liegen und dort „eingefroren“ – Umgangsdeutsch: gestohlen – werden können, und sogar die eigene Währung im wirtschaftlichen Austausch nicht mehr akzeptiert wird.

Als Teil des vom Weißen Haus unlängst öffentlich gemachten Plans, Russland wegen des Ukrainekriegs in den Staatsbankrott zu treiben, untersagte das US-Finanzministerium dieser Tage den heimischen Banken die Annahme von US-Dollar für die Rückzahlung russischer Staatsschulden.

Mehrere Hundert Milliarden Euro und Dollar russischer Auslandsdevisen hat der „Werte-Westen“ auf den Konten seiner Banken blockiert. Kaum geklaut, sollen sie hehlergleich an den Staatenkumpel Ukraine verschoben werden („Reparationen“), um von dort aus wieder in die eigenen Taschen zu fließen („Wiederaufbau“). Was man mit der Hehlerware der eigenen Kriege gemacht hat – der Irak und Syrien lassen ölig grüßen -, lässt sich auch mit der von Kriegen anderer inszenieren, vor allem, wenn man diese selber provoziert hat: sogar die Konzerntöchter russischer Unternehmen sollen enteignet werden.

Angesichts der Reserven der libyschen Zentralbank und der irakischen Nationalbank, die sich während der NATO-Kriege wundersamerweise in Luft auflösten, machen sich die paar Milliarden, die die US-Regierung vor kurzem von der afghanischen Zentralbank beschlagnahmt hat, geradezu wie „Peanuts“ aus. Und da sind die blockierten Gelder der venezolanischen Auslandskonten samt der Goldbestände in London noch gar nicht mit eingerechnet. Die versuchte Erpressung der amerikanischen Regierung, einen Teil dieser Gelder freizugeben, wenn sich der Eigentümer gegen Russland wendete, lehnte die venezolanische Regierung unlängst mit Hinweis auf den fragwürdigen Charakter des Erpressers ab.

Pax Americana: vom Stehlen & Hehlen…

Auch diplomatische Regeln, Grundlage eines staatlichen Miteinanders, gelten nicht mehr: die NATO-Staaten brechen mit ihren Massenausweisungen des diplomatischen Personals der Russischen Föderation die Beziehungen de facto ab, die USA weisen sogar russische Diplomaten der UNO-Vertretung aus, Polen blockiert das Konto der russischen Botschaft und beschlagnahmt deren Eigentum – entgegen bestehender internationaler Absprachen und völkerrechtlicher Verträge. Doch was der „Werte-Westen“ vom Völkerrecht hält, hat er schon eindrucksvoll in Jugoslawien und Libyen bewiesen.

Wer außer ihresgleichen will denn mit solchen Halunken noch Geschäfte betreiben, die ihre Verträge und Versprechungen nach Gutdünken sogar untereinander brechen (wie beim französisch-australischen U-Boot-Vertrag vor wenigen Monaten) und deren Währungen im Zweifelsfall nichts mehr wert sind?

Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass ausgerechnet der EU-Kommissar für Justiz und Rechtsstaatlichkeit, Didier Reynder, dem Übertrag konfiszierten russischen Eigentums an die Ukraine sein Placet gegeben hat und dass Josep Borrell, Hoher Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik des Friedensnobelpreisträgers von 2012, der Europäischen Union, den Krieg gegen Russland gegenüber Friedensverhandlungen mit Russland vorzieht. Die Staaten dieser „Wertegemeinschaft“ gerieren sich schlimmer als Mafiasippen – die sind zwar auch wortbrüchig und brutal, kennen aber wenigstens einen Ehrenkodex.

Ein solcher scheint den angelsächsischen Demokratieverfechtern allerdings schon wesentlich früher abhanden gekommen zu sein, liebäugelten sie doch schon vor Jahrhunderten mit der Piraterie. Neben dem Stehlen und Hehlen ausländischer Werte wurden mit den Steuern der eigenen Bürger Diktaturen installiert und Diktatoren hofiert, um Jahre später, mittels Revolutionen und Kriegen gegen ebendiese, eine reiche Ernte einzufahren.

Das ist nicht erst seit dem „Maidan“ und der militärischen Unterstützung ukrainischer Rechtsradikaler bekannt; schon die Nationalsozialisten wurden mit ausländischen, vor allem amerikanischen Geldern in die Lage versetzt, den Aufstieg und die Aufrüstung ihres braunen Regimes zu organisieren. Dass die Demokratien diese hochgestellten Mitwisser ihrer zynischen Gewaltpolitik nicht in ein Zeugenschutzprogramm übernehmen, sondern sich ihrer auf eher unschöne Weise zu entledigen wissen, erfuhren die Deutschen nach dem „Nürnberger Tribunal“, als ihre politischen und militärischen Führungskräfte gemäß den Urteilen der Siegerjustiz aufgeknüpft oder durch langjährige Haftstrafen mundtot gemacht wurden.

…und Hängen & Pfählen

Doch „Nürnberg“ scheint nur eine Blaupause für unsere Zeit gewesen zu sein. Erst wurde der irakische Diktator Saddam Hussein vom damaligen US-Sonderbotschafter Donald Rumsfeld mit Chemiewaffen aufgerüstet, um dann für den Einsatz derselben vom gleichen Rumsfeld, Jahre später in dessen neuer Funktion als US-Kriegsminister, mitsamt den irakischen Regierungsmitgliedern zur Strecke gebracht zu werden. Auch das amerikanische Foltergefängnis Abu Ghraib hat nach Ansicht des emeritierten Professors für Militärgeschichte an der Hochschule der Bundeswehr, Franz Seidler, einen historischen Vorläufer: im amerikanisch besetzten Schwäbisch Hall der 40er Jahre. Um nur zwei Beispiele zu nennen.

Nun will Wladimir Putin, ehemaliger Schützling des Wallstreet-Günstlings Boris Jelzin, für russische Rohstoffe nur noch Rubel akzeptieren und bindet diesen an den Goldpreis, während Mohamed bin Salman, bislang unter den Fittichen des US-Imperiums, mit den Chinesen um den Tausch von Saudi-Erdöl gegen Renminbi-Yuan verhandelt. Die letzten beiden Ölstaatsmagnaten, die versucht hatten, sich vom US-Dollar und der Pax Americana zu emanzipieren, waren Saddam Hussein und Muamar al Gaddafi.

Der eine wollte sein Öl gegen Euro verkaufen, der andere eine goldgedeckte Währung einführen; der eine wurde dafür gehängt, der andere gepfählt. Ob Salman und Putin das auch mit sich machen lassen? Schon regt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Kriegsverbrechertribunal gegen den russischen Präsidenten und seinen Außenminister an, der zu verlautbaren wagte, mit dem Ukrainekrieg das Dominanzstreben der USA und ihrer Verbündeten beenden zu wollen. Zudem ließ sich der saudische Thronfolger für seinen Angriffskrieg gegen den Jemen von den USA aufrüsten – hatten wir sowas nicht schon mal im arabischen Raum? Spannende Zeiten.

Geschichte im Spiegelbild

Zeiten, in denen der unbefangene Beobachter sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass sich angesichts der mit großem propagandistischem Getöse initiierten Errichtung eines neuen Eisernen Vorhangs die historische Situation seit den 80er und 90er Jahren in vielen Bereichen um 180 Grad gedreht hat. Das gilt nicht nur für Fragen der politischen und ökonomischen Stabilität – so hat beispielsweise Russland die USA als weltgrößten Weizenexporteur abgelöst -, sondern auch für die Qualität west-östlicher Medien und die ihrer politischen Führer.

Mussten Jelzins Mitarbeiter und Berater immer wieder den Aussagen des alkoholkranken russischen Präsidenten hinterherrudern, um dessen Verbalausfälle („3. Weltkrieg“) zu dementieren und in politisch ungefährlichere Gewässer zu dirigieren, waren nach Bidens Verplapperer über den angestrebten Sturz der russischen Regierung gleich drei US-Stabsstellen damit beschäftigt, die Worte des dementen Greises im Weißen Haus umzuinterpretieren. Dessen zunehmender Verfall erinnert fatal an den der Generalsekretäre der KPdSU in der beginnenden Endzeit der UdSSR und des Warschauer Pakts. Und der qualitative Verfall des westlichen Pressewesens an die „Prawda“ der Sowjetunion und das „Neue Deutschland“ der DDR.

Den neuen Eisernen Vorhang, diesmal vom Westen initiiert und entlang der östlichen Grenzen des „Cordon Sanitaire“, begrüßen vor allem die zu NATO-Staaten mutierten Länder des ehemaligen Ostblocks an der Nordwestflanke des früheren Sowjetimperiums. Besonders Polen scheint dem vergangenen Jahrhundert zugetan zu sein, denn seine Politiker träumen schon wieder von einer polnischen Hegemonialmacht und zündeln an den Grenzen wie vor hundert Jahren. Demgegenüber hält sich Ungarn – dessen Volk zu Hunderttausenden auch außerhalb seiner Landesgrenzen als Minderheiten in den Nachbarstaaten lebt – auffallend zurück; ganz so, als habe seine Elite die historische Lektion gelernt.

Auch der russische Präsident scheint vor allem die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr genau studiert und das geopolitische Spiel des britischen Empires durchschaut zu haben, die kulturellen Grenzen der Völker großer Reiche als Sollbruchstellen zu definieren und an diesen entlang kontinentale Imperien in handliche Einzelteile zu zerlegen. So wurden die Kaiserreiche China und Österreich-Ungarn in appetitliche Happen filetiert und diese dann nationalistisch indoktriniert, so dass sie sich aufrüsten und erst einmal bei den Siegerbanken des Weltkriegs verschulden mussten, um anschließend eigene Kriege um Macht- und Landgewinn oder deren gegnerische Abwehr führen zu können.

Die angelsächsische Nationalitätenfalle…

Dem Deutschen Reich, ebenfalls durch den „Versailler Vertrag“ den Banken zum Opfer gefallen, wurden, wie Österreich, große Teile der eigenen Bevölkerung als nationale Minderheiten in den Sieger- und den neu geschaffenen Staaten vor die Nase gesetzt. Der Oberbefehlshaber der alliierten Westfront, der französische Marschall Ferdinand Foch, durchschaute das der Weltöffentlichkeit als Friedensvertrag verkaufte Diktat und nannte es vorausschauend einen „Waffenstillstand für 20 Jahre“. Diese Politik hat System: Kriege infolge willkürlich gezogener Grenzen folgten beispielsweise auch den abziehenden Kolonialmächten im rohstoffreichen Afrika auf dem Fuße, und den ideologisch verbrämten Widerstandsgruppen des Kalten Krieges folgten die Terrororganisationen der Gegenwart. Die Beute teilen sich bis heute internationale Banken sowie die Rüstungs- und Rohstoffindustrie.

Diese Politik des „Teile und herrsche“, die 1917/18 auch vom deutschen Kaiserreich und später von den Alliierten dem besiegten Zarenreich auferlegt wurde, scheiterte in Russland am langen Atem der Bolschewisten und ihres roten Terrors und führte ein Vierteljahrhundert später zur Zerschlagung des Deutschen Reichs. Hatten sich die Siegermächte des Ersten Weltkriegs am entstehenden Sowjetreich noch die Zähne ausgebissen, begann die Filetierung der Sowjetunion samt der Ausgrenzung russischer Staatsbürger in die nun unabhängigen ehemaligen Sowjetrepubliken Anfang der 90er Jahre; es folgten in der Regierungszeit des ersten russischen Präsidenten Boris Jelzin wie unausweichlich die oben beschriebenen Kriege. Seinem Nachfolger Wladimir Putin gelang es, die Konflikte zu befrieden, und dieser ließ sich nach dem Georgienkrieg, im Gegensatz zu Adolf Hitler, kein zweites Mal in die sorgsam inszenierte nationalistische Falle der angelsächsischen Mächte (Tschechoslowakei 1938/Polen 1939 – Georgien 2008/Ukraine 2014) locken.

…und das russische Schachbrett

Stattdessen rüstete die russische Regierung die umgestaltete Armee ihres Landes mit neu entwickelten Waffensystemen auf, erreichte Mitte des letzten Jahrzehnts mit ihrer nahezu unüberwindbaren Raketenabwehr die atomare Erstschlagfähigkeit, erprobte Soldaten, Material, Strategien und Taktiken im Syrienkrieg und ist seit diesem Jahrzehnt auch im Bereich der offensiven Fernwaffen konkurrenzlos. Die seit 2014 verhängten Sanktionen der USA und der EU nutzte Russland, um seine Wirtschaft weiterzuentwickeln, unabhängiger zu gestalten und zu diversifizieren.

Der Erfolg zeigte sich in der ökonomischen wie sozialen Widerstandsfähigkeit, als der Versuch, Russland ähnlich der Sowjetunion in den 80er Jahren mittels eines durch ein Überangebot geförderten Erdöls provozierten Ölpreisverfalls zu destabilisieren, ins Leere lief. Der zeitliche Aufschub durch den Betriebsunfall der amerikanischen Politik, die Präsidentschaft Donald Trumps, ermöglichte es der russischen Regierung zudem, auch in der eigenen Finanzwirtschaft entscheidende Weichen zu stellen, um nicht, abgeschnitten von den Finanzströmen wie 1941 Japan von den Rohstofflieferungen, zum Krieg genötigt zu werden.

Der Gipfel der Nötigung nach jahrelanger Demütigung erfolgte allem Anschein nach im Februar dieses Jahres. So überstürzt, wie der Angriff auf die Ukraine – dem angelsächsischen „Festlandsdegen“ der Gegenwart – gestartet wurde, musste sich die russische Regierung in einer (aus ihrer Sicht) ausweglosen Situation befunden haben. Dem nach Worten von Bundeskanzler Olaf Scholz „lange vorbereiteten“ Sanktionstrommelfeuer des sofort verschärften Wirtschaftskriegs der NATO- und EU-Staaten begegnet die russische Führung mit hybriden Maßnahmen des Finanzkriegs.

Wirtschaftskrieg vs. Finanzkrieg

Durch die Stützung der heimischen Minengesellschaften – die wegen der Sanktionen nicht mehr auf dem Weltmarkt verkaufen können – mittels Aufkauf deren Goldförderung durch die russische Zentralbank verfügte die Regierung eine defacto-Goldbindung des Rubels, zunächst im Verhältnis von  5.000.- Rubel pro Gramm (man beachte die genannte Gewichtseinheit gegenüber der international gebräuchlichen). Der staatlich festgelegte Preis (eine Unze Gold kostet demnach 155.500 Rubel, das sind bei einem Umrechnungskurs von USD/RUB 1:80 1.943 US-Dollar) wertete den Dollar auf einen Schlag um mehrere Prozent gegenüber dem russischen Goldpreis ab.

Dem folgte die Ankündigung, die eigenen Energierohstoffe künftig ausschließlich in Rubel an jene Staaten zu verkaufen, die sich am Wirtschaftskrieg gegen die Russische Föderation beteiligen, wobei das Prozedere so gestaltet wurde, dass die bestehenden Verträge eingehalten werden können.

Schon ist die Tendenz erkennbar, auf dem Weltmarkt künftig alle eigenen Rohstoffe – inklusive der Soft Commidities – nur noch in Rubel abzurechnen, was automatisch zu einer Stabilisierung, weil weltweit steigenden Nachfrage nach der russischen Währung führen würde. Und tatsächlich erholte sich der Rubel nach seinem kurzzeitigen Absturz innerhalb weniger Tage, was sicher auch der Bindung des russischen Öls an den Rubel geschuldet ist und diesen zu einer nicht nur goldgebundenen, sondern auch rohstoffgedeckten Währung macht.

Es scheint, als habe die russische Regierung auch die währungstechnischen Fallstricke des 20. Jahrhundert genau studiert, denn sie vermeidet mit diesem Schritt, die systemischen Fehler des Gold- und später Petrodollars zu wiederholen. Auf diese Weise erschafft sie ein neues, diesmal russisches Bretton-Woods-System unter Umgehung des Triffin-Dilemmas: eine Art kombinierter Gold- und Petrodollar, nur eben in Rubel.

Skizzen des Umbruchs…

Der neugestaltete Rubel hat durch diese Kombination gegenüber systembedingt kurzlebigen Kunstwährungen wie dem ECU/Euro sehr gute Chancen, länger als nur einen Kondratjew-Zyklus zu überdauern; mehr noch: er besitzt das Potential, die stabilste, weil wertbeständigste Währung der Wirtschaftsgeschichte zu werden. Auch ein an den Gold&Petro-Rubel gekoppelter Krypto-Rubel besäße eine dementsprechend wertstabile Deckung, was einen großen Teil der bisherigen Kryptowährungen kollabieren lassen könnte. Haben sich diese Erkenntnisse an den Finanzmärkten erst einmal durchgesetzt, muss mit einer steigenden Nachfrage nach dieser neuen, goldgebundenen, rohstoffgedeckten und damit „harten“ Währung gerechnet werden.

Wird diese auch noch eingebunden in eine Referenzwährung der Eurasischen Wirtschaftsunion und Chinas, gibt es für die Fiat-Währungen kein Halten mehr. Sie könnten das Schicksal des Rubels zur Zeit des Kalten Krieges teilen und nur noch innerhalb eines eigenen, abgeschotteten Wirtschaftsraums – hinter dem neuen, diesmal westlichen Eisernen Vorhang – handelbar sein.

Ein weiterer, bereits sichtbarer Teil des hybriden Finanzkriegs ist die Flankierung der neuen Währung durch finanztechnische Maßnahmen in Form neuentwickelter nationaler Zahlungssysteme. Das SPFS („Finanzielles Nachrichtenübermittlungssystem“) wurde von der russischen Zentralbank nach der Krimkrise geplant, als der Ausschluss aus dem internationalen SWIFT-Verfahren drohte. Kompatibel mit dem chinesischen CIPS („Cross-Border Inter-Bank Payments System“) könnte es über die Eurasische Wirtschaftsunion hinaus auch anderen Ländern offenstehen und als Alternative vor allem jenen angeboten werden, die ebenfalls vom Westen sanktioniert werden.

Der kürzliche Besuch des  russischen Außenministers Sergej Lawrow in Neu-Delhi nährt die Spekulationen, dass auch der mit Indien entwickelte Mechanismus eines gemeinsamen Zahlungssystems kurz vor der Einführung steht. Diese neuen Alternativen zu SWIFT sollen es Banken unter Umgehung des bisherigen sanktionsanfälligen Monopols ermöglichen, internationale Transaktionen mit den jeweiligen Landeswährungen abzuwickeln.

…des Wandels…

Das Erstarken des Rubels zur härtesten Währung der Welt kommt einem Zeitenwandel gleich. Er wird die sich bereits abzeichnende Zweiteilung des Weltwährungssystems und der Weltwirtschaft verstärken und sowohl die Ära des US-Dollars als Petro- und Weltleitwährung als auch die darauf gründende Globalisierung beenden. Die Goldbindung wiederum dürfte zu einem Verfall des „Papiergolds“ an den Rohstoffmärkten in London und New York führen, da neben dem Dollar jetzt auch der Rubel für die Goldpreismanipulation geschwächt werden müsste.

Was schlechterdings nur mit einer weiteren ungedeckten Währung möglich wäre und deshalb auch das Ende der frei handelbaren Fiat-Währungen bedeuten könnte. Davon unabhängig würde ein in diesen Währungen stark steigender Goldpreis deren Entwertung deutlich sichtbar machen.

Der unvermeidbare Niedergang der westlichen Staaten ließe sich nur mit deren politischer wie wirtschaftlicher Abgrenzung hinauszögern, ähnlich dem „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ der früheren Ostblockstaaten. Zur sich abzeichnenden Blockbildung passt ökonomisch, dass gerade eine Gesetzesvorlage den US-Senat passierte mit dem Ziel, alle Handelsbeziehungen mit Russland und Weißrussland zu beenden, sowie politisch die vorangetriebene Ausgrenzung Russlands aus internationalen Gremien, wie dem Ausschluss aus dem UN-Menschenrechtsrat und dem bereits angedachten aus dem UN-Sicherheitsrat.

Beides rüttelt an den Fundamenten der Nachkriegsordnung angelsächsischer Prägung. Sollte Russland seinerseits diese Entwicklung forcieren – die Partei „Vereintes Russland“ brachte in der Duma einen Gesetzentwurf zum Austritt aus der Welthandelsorganisation (WTO) ein -, bliebe das nicht ohne Eindruck auf die Russland zugewandten Staaten. Verließe Russland die UNO, geschähe dies ebenfalls kaum ohne Absprache mit anderen Regierungen – die gegenwärtige Weltordnung zerbräche.

Gleiches droht bei einer Ausweitung des Ukrainekriegs auf die NATO oder deren weitere Verwicklung in den Konflikt: die im Bündnis auftretenden Spannungen könnten dieses sprengen und ebenfalls die Epoche der Nachkriegszeit beenden. Doch egal, wie sich die Zukunft gestalten wird: Die Welt, wie wir sie kannten, existiert nicht mehr, und „Corona“ war nur ihr Anfang vom Ende.

…und der Ausblicke…

Sollte sich das skizzierte Szenario des Rubels als neuer harter Währung durchsetzen, wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den nächsten Wochen und Monaten zur Zweiteilung des Weltwährungssystems kommen, in dem ein rohstoffgedeckter und goldgebundener Rubel mit dem (noch) als Weltleitwährung geltenden amerikanischen Dollar konkurriert und die sich schon abzeichnende Zweiteilung der Weltwirtschaft zusätzlich zu den verhängten Wirtschaftssanktionen vertieft.

Auf diese Weise würde vor unseren Augen eine neue weltpolitische Situation mit einem neuen Wirtschaftsraum und einer neuen Wirtschaftsordnung entstehen, die nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer kennt.

Erster Verlierer könnte China sein, dessen ehrgeiziges Projekt der „Neuen Seidenstraße“ das Schicksal der Bagdad-Bahn teilt und damit sein Ziel, die Weltinsel Eurasien ökonomisch zu einen, verfehlt. Das schwächt auch die Zukunftsaussichten des Renminbi-Yuan, der vor allem auf der wirtschaftlichen Macht des roten Riesenreiches gründet, dem aber im Gegensatz zu seinem russischen Pendant die Rohstoffdeckung fehlt. A

Außerdem hält die Volksrepublik immer noch über drei Billionen Dollar aus ihrem jahrzehntelang erwirtschafteten Exportüberschuss in ausländischen Staatsanleihen – davon mehr als zwei Drittel in us-amerikanischen -, während sich die Russische Föderation in den Jahren vor dem Ausbruch des Ukrainekriegs weitgehend von diesem finanztechnischen Ballast befreit hat. Verknüpft mit dem fragilen chinesischen Staatsschatz verharrt zudem die Taiwanfrage in der geopolitischen Funktion eines Gordischen Knotens.

…auf die neue “Neue Welt“

Zweiter Verlierer dürfte die sich in einer seit Jahren ungelösten, weil systemisch nicht auflösbaren Währungskrise befindliche Eurozone sein; die ansteigende Inflation gilt als Indiz des durch nichts mehr zu beschönigenden Wert- und Vertrauensverlusts in die Wirtschaft und Politik der europäischen Staaten. Wobei die schwindsüchtige Gemeinschaftswährung nur als Menetekel aufscheint.

Europa, mit massivem propagandistischem Aufwand der eigenen Politkaste von Versorgungssuchenden transkontinentaler Gewaltkulturen geflutet, zeigt sich in unseren Tagen als sterbender Kontinent – zumindest der Teil, der sich unter dem „Westliche Werte“-Einfluss befindet. Ob und wie die über den Planeten verteilten Pfund- und Dollar-Angelsachsen („Five Eyes“) die dritten Verlierer sein werden, hängt von der politischen Entwicklung in den USA ab.

Der östlichste Staat Europas dagegen hat seine historische Chance genutzt, die Grundlagen für ein Jahrhundert seiner Provenienz zu legen. War das letzte Jahrhundert das „amerikanische“, das durch die Besiedlung, Urbarmachung und Industrialisierung des klimatisch günstigsten Teils des nördlichen Subkontinents die Grundlagen für seine Weltherrschaft legte, könnte das 21. Jahrhundert von Russland geprägt werden: wie damals Amerikas Wilder Westen befindet sich Russlands „wilder Osten“ am Beginn seiner wirtschaftlichen Entwicklung.

Und anders als China hat Russland kein gewaltsam herbeigeführtes demographisches Problem, welches das Reich der Mitte in wenigen Jahrzehnten mit großer Wahrscheinlichkeit bevölkerungstechnisch implodieren lassen wird  – mit allen wirtschaftlichen und politischen Folgen, die sich, zusätzlich zur beispiellosen Repression der eigenen Bevölkerung, daraus ergeben.

„BRICS“ oder „RIC“?

Die neue „Neue Welt“ erlebt ihre Geburtswehen – bis jetzt – vor allem in Europa; die gewaltsame Lösung der Taiwanfrage könnte diese Entwicklung beschleunigen. Doch ob tatsächlich die BRICS-Staaten das Herz einer neuer Weltordnung bilden werden, wie der stellvertretende russische Außenminister Sergei Rjabkow verkündete, bleibt angesichts der unterschiedlichen politischen und ökonomischen Entwicklungen dieser Länder offen. Während Russland, China und Indien vergleichsweise stabil zu sein scheinen, taumelt Südafrika dem Status eines „Failed State“ entgegen und ist der Machtkampf in Brasilien noch nicht entschieden.

Mit Sicherheit aber haben die „RIC-Staaten“, also Russland, Indien und China, geopolitisch die größten Chancen, eine neue Ordnung nach ihrer Vorstellung zu gestalten. Kein Ozean trennt ihre Länder, im Gegenteil: ihre gemeinsamen Grenzen prädestinieren sie, das neue wirtschaftliche und politische Herz Eurasiens und damit unserer Welt zu werden.

Somit würde sich Halford Mackinders „Herzland“ nach Südosten verschieben – der Albtraum der Albträume für die angelsächsischen Mächte und ihre Satrapen. Kaufen doch die Chinesen immer mehr deutsche Weltmarktführer und technologisch hochentwickelte Unternehmen auf und lassen so die Horrorvorstellung der Angelsachsen, Transatlantiker und ihrer pazifischen Pendants – spätestens bekannt seit der Rede Georges Friedmans, CEO des amerikanischen Nachrichtendienstes STRATFOR, am 4. Februar 2015 vor dem „Chicago Council on Global Affairs“ – Wirklichkeit werden: die Verbindung deutscher Ingenieurskunst mit den Ressourcen der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft und dem Bevölkerungspotential Chinas sowie Indiens.

Eine aufgrund der weltpolitischen Situation zusammenwachsende Zwangsgemeinschaft, die beinahe drei Milliarden Menschen umfasst, die man mithilfe des neuen Kalten Kriegs anlässlich des Ukrainekonflikts glaubte, verhindern zu können, und deren Verkehrs- und Wirtschaftswege sich mit den ohnehin militärstrategisch veralteten Flugzeugträgerflotten der USA und NATO nicht unterbrechen lassen.

Entscheidend für die Entwicklung eines russischen Jahrhunderts dürfte vor allem die Antwort auf die Frage sein, wer in Eurasien den Ton angeben und ob China darauf verzichten wird, sein Gesellschaftsmodell nach alter sozialistischer Tradition zu (re-)exportieren, sobald der gemeinsame Gegner USA militärisch und wirtschaftlich ungefährlich geworden wäre.

Setzte sich dieses Modell jedoch in Verbindung mit dem chinesischen Kapitalismus samt seiner digitalen Überwachungstechnologie in Eurasien durch, würde es die Weltinsel in ein riesengroßes Konzentrationslager verwandeln mit dem Potential, die ganze Erde in einen Sklavenplaneten zu transformieren. Was auch die Frage aufwirft, ob und wie lange ein „RIC“-Staatenbund ohne den gemeinsamen angelsächsischen Feind Bestand hätte. Eine Aufteilung der Macht in wirtschaftliche Dominanz einerseits und militärische andererseits könnte mittel- oder langfristig in einem beispiellosen Wettrüsten enden.

Deindustrialisierung Deutschlands und Niedergang Europas

Dass die ebenfalls beispiellosen und lange vorab geplanten Wirtschaftssanktionen gegen Russland kurzfristig und absehbar auf ihre Urheber zurückfallen, dürfte ein weiteres Indiz für eine gewollte, wenn nicht gar ebenfalls lange vorab geplante Deindustrialisierung Europas und vor allem Deutschlands sein, das seine sichere heimische Energieversorgung seit dem Mauerfall ohne wirtschaftliche Notwendigkeit systematisch zerstört hat. Seither gilt, dass die deutsche Industrie nur aufgrund des günstigen russischen Erdgases als jederzeit verfügbarem Energieträger wettbewerbsfähig ist.

Spanien scheint ebenfalls – über den EU-Sanktionsmarathon hinaus – engagiert am eigenen Energienotstand interessiert zu sein, denn es ärgert zeitgleich auch seinen zweitwichtigsten Erdgasversorger Algerien, indem es sich ausgerechnet dieser Tage bemüßigt fühlt, seine Neutralität im Westsahara-Konflikt aufzugeben und die völkerrechtswidrige Besetzung seiner ehemaligen Kolonie durch Marokko indirekt anzuerkennen.

Der neue Eiserne Vorhang wird in jeder Hinsicht zur Verarmung EU-Europas führen und politisch und wirtschaftlich die Welt erneut in zwei Hälften teilen, diesmal mit umgekehrten Vorzeichen. Bezeichnend auch die dekadente Arroganz, mit der die EU-Verwaltung, den wirtschaftlichen Niedergang vor Augen, in Person von EU-„Politkommissarin“ Margrethe Vestager ihre Untertanen am Nasenring durch die politische Manege zieht: die Bürger sollten es Putin doch heimzahlen, indem sie bei der täglichen Körperpflege darauf achten, weniger Wasser und Energie zu verbrauchen.

In Betrachtung der auffälligen Ansammlung unfähigen Personals nicht nur in Berlin, sondern nahezu allen Regierungsstuben der EU-Länder und deren Entsorgungs-Endstation in Brüssel möchte man angesichts dieser Entgleisung nicht mehr an Zufall glauben: die Parallelen zum menschenverachtenden „real existierenden Sozialismus“ sind ebenso unübersehbar wie die Hinwendung zum chinesischen Gesellschaftsmodell des Überwachungsstaats – und die historischen wie künftigen Folgen dieser politischen Verirrung.

Sie sind das Gegenteil der Vision, die Wladimir Putin, Präsident der Russischen Föderation, in seiner historischen Rede am 25. September 2001 vor dem Deutschen Bundestag in die Worte fasste: „Ich bin überzeugt: Wir schlagen heute eine neue Seite in der Geschichte unserer bilateralen Beziehungen auf und wir leisten damit unseren gemeinsamen Beitrag zum Aufbau des europäischen Hauses.“ Mit dem Sturz des Jugoslawienkriegers Gerhard Schröder und der Inthronisierung der Sozialistin Angela Merkel wurde die Chance des Jahrhunderts auf einen dauerhaften europäischen Frieden vertan.

Die Welt ist im Wandel und so werden auch die Geschichtslügen der Angelsachsen aufgeklärt. Der AnderweltVerlag ist in dieser Hinsicht der führende Verlag in Deutschland mit den Werken von Peter Haisenko und Reinhard Leube. Wenn Sie zu den Ersten gehören wollen, die aufgeklärt sind, dann besuchen Sie die Seite des Anderweltverlags hier. 

Bild: Blick auf Shanghai
Autor: Steven Yu
Quelle: pixabay.com
Lizenz: public domain
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