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Die USA haben die russische Militäroperation bewusst provoziert – Blicke hinter die medialen Kulissen

Aus langfristiger geostrategischer Planung haben USA und NATO die Ukraine zu einem militärischen Instrument gegen Russland aufgebaut, dieses sicherheitspolitisch immer mehr provoziert und so lange in die Enge getrieben, bis die russische Regierung offenbar keinen anderen Ausweg mehr gesehen hat, als seine Sicherheitsinteressen durch eine Militäroperation in der Ukraine durchzusetzen.

Von Herbert Ludwig

Die Überraschung und Empörung des Westens darüber ist geheuchelt. Man wusste lange vorher, was kommen wird, da man selbst herbeiführte, wozu Russland praktisch keine andere Wahl haben werde.

Der Krieg, der bereits 2014 unter Einflussnahme des CIA-Chefs John Brennan als Stellvertreter-Krieg begonnen hat und jetzt zur Eskalation getrieben wurde, ist also von langer Hand in die Wege geleitet worden, einschließlich der Waffenlieferungen, die man bereits, wie weiter unten gezeigt werden wird, vor dem russischen Einmarsch plante, um den Krieg zur Schwächung Russlands so lange wie möglich am Kochen zu halten. Den wenigsten Medien-manipulierten Menschen ist klar, auf welch zynische, menschenverachtende Weise in Wahrheit die Ukrainer für die imperialistischen Interessen der USA benutzt und verheizt werden.

Thomas Röper, der als Osteuropaexperte seit über 15 Jahren in Russland lebt und fließend Russisch spricht, hat seine Webseite „anti-spiegel“ zu einem außerordentlich informativem Forum über die dortigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse einerseits und die Geopolitik des Westens andererseits gestaltet. Am 30. April veröffentlichte er den Artikel „US-Gesetz zeigt: Der Westen hat die russische Militäroperation bewusst provoziert“, in dem er diese Hintergründe aufzeigt und mit vielen Verweisen auf vorangegangene Artikel die Chronologie der Ereignisse zusammenfasst und belegt. Ich folge in meiner Darstellung im Wesentlichen dem, was Thomas Röper mit großem Fleiß zusammengestellt hat.

Das Minsker Abkommen

Im September 2014 und Februar 2015 wurden in Minsk zwei Abkommen abgeschlossen, um den Krieg der ukrainischen Armee gegen die nach Autonomie innerhalb der Ukraine strebenden russischsprachigen ostukrainischen Regionen Donezk und Lugansk zu beenden. Darin ist eine Verfassungsänderung zugunsten eines besonderen Autonomiestatus der beiden Ostregionen vorgesehen.

Das Minsker Abkommen ist jedoch von Kiew nie umgesetzt worden. Russland werde, so Thomas Röper, immer wieder vorgeworfen, dass es das Abkommen nicht erfüllt habe, doch Russland werde in dem Abkommen überhaupt nicht erwähnt, und darin gebe es auch keinerlei Forderungen an Russland. Dafür aber seien darin konkrete Pflichten der Kiewer Machthaber enthalten, die keine einzige erfüllt hätten. Die Details zu dem Abkommen kann man hier nachlesen.

Kiew habe unter Selensky nach dem „Normandie-Gipfel“ vom 9.11.2019 begonnen, ganz offen zu sagen, dass man das Minsker Abkommen nicht umsetzen werde. Man habe anstelle des Satzes „die Parteien bekunden ihr Interesse an einer Einigung im ´Normandie-Format` und der trilateralen Kontaktgruppe über alle rechtlichen Aspekte des Sonderstatus der Regionalverwaltung“, womit also auch die Verfassungsänderung gemeint ist, nur noch von einem Interesse gesprochen, über „alle rechtlichen Aspekten des Gesetzes über den Sonderstatus“ zu diskutieren. Siehe hier. Kritik aus dem Westen sei aber ausgeblieben, und die westliche Öffentlichkeit habe davon nichts erfahren.

Im Oktober 2021 sei klar geworden, dass auch Deutschland und Frankreich die Umsetzung des Abkommens offen ablehnen, was aber der Öffentlichkeit ebenfalls verheimlicht worden sei. Russland habe das öffentlich gemacht, indem es die entsprechenden Schreiben der Außenminister Deutschlands und Frankreichs veröffentlichte, was jedoch die westlichen Medien auch wieder  verschwiegen hätten. Siehe hier.

Die NATO und die Ukraine

Thomas Röper: „Für Russland war ein NATO-Beitritt der Ukraine immer eine rote Linie, gleiches galt für NATO-Basen in dem Land. Trotzdem hat die NATO 2021 tausende NATO-Soldaten in der Ukraine stationiert, auch wenn sie das als „Ausbildungsmissionen“ oder „Militärberater“ bezeichnet hat. Außerdem wurde die ukrainische Armee inklusive ihrer Stützpunkte auf NATO-Standard gebracht, was eine schnelle Verlegung von NATO-Truppen in die Ukraine und eine Integration der ukrainischen Armee in die NATO ermöglicht hat.

Aufgrund dieser Maßnahmen sah Russland sich im Dezember 2021 gezwungen, von den USA ultimativ gegenseitige Sicherheitsgarantien zu fordern. Nach dem Vorfall im Oktober und November 2021, als Deutschland und Frankreich in der Diplomatenkorrespondenz das Minsker Abkommen abgelehnt, der Öffentlichkeit aber das Gegenteil erzählt haben, was erst durch die Veröffentlichung der Korrespondenz durch Russland bekannt wurde, ist Russland einen ungewöhnlichen Weg gegangen: Es hat die Vertragsvorschläge für gegenseitige Sicherheit veröffentlicht, damit der Westen nicht wieder ein doppeltes Spiel spielen konnte.

Der Westen hat das aber trotzdem getan, und die westlichen Medien haben wieder nicht berichtet, worum es tatsächlich ging. Aber immerhin konnten die Regierungen der ganzen Welt sehen, was vor sich ging, denn auch die Antworten von NATO und USA wurden veröffentlicht, als sie Ende Januar 2022 Gespräche über die von Russland geforderten gegenseitigen Garantien abgelehnt haben.“

Der Westen habe gewusst, dass er Russland damit nur zwei Möglichkeiten gelassen habe: Entweder Russland akzeptiere das Risiko, dass NATO-Truppen (und damit möglicherweise sogar amerikanische Atomraketen) direkt an der Grenze zwischen Zentralrussland und der Ukraine auftauchen, oder die russische Regierung verhindere diese für Russland inakzeptablen Risiken durch eine militärische Intervention in der Ukraine.

Als der ukrainische Präsident Selensky dann auch noch am 19. Februar 2022 auf der Münchner Sicherheitskonferenz offen mit der atomaren Bewaffnung der Ukraine selbst gedroht habe, hätte Russland aus seiner Sicht keine andere Wahl mehr gehabt, als aktiv zu werden. Weniger als eine Woche nach Selenskys Drohung begann die russische Militäroperation in der Ukraine.

Ganz im Interesse der USA

„Wenn es im Interesse des Westens, also der USA, gewesen wäre, diesen militärischen Konflikt zu verhindern, hätten sie es tun können. Sie hätten den Druck, die Ukraine in die NATO zu bringen, aufheben können, sie hätten die NATO-Soldaten aus der Ukraine abziehen können, sie hätten auch mit Russland über die gegenseitigen Sicherheitsgarantien verhandeln können.

Vor allem aber trifft in Kiew niemand eine auch nur halbwegs wichtige Entscheidung, die nicht mit den USA abgestimmt ist. Der Applaus für Selenskys Drohung mit nuklearer Bewaffnung auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat gezeigt, dass die USA und der Westen hinter der atomaren Drohung von Selensky standen, und niemand hat überrascht reagiert oder gar protestiert. Die Drohung war daher ganz sicher mit den USA abgesprochen.“

Der Westen, also im Grunde die alle beherrschenden USA, hätten die Eskalation bewusst provoziert und Kiew offensichtlich in dem Glauben gelassen, die NATO werde der Ukraine militärisch zu Hilfe eilen, wenn es zu einen offenen Konflikt mit Russland komme. Das hätten auch die Reaktionen in Kiew nach Beginn der russischen Intervention gezeigt, denn dort seien führende Politiker offen entsetzt darüber gewesen, dass die NATO keine eigenen Soldaten schickte.

„Die USA wollten Russland in einen teuren Stellvertreterkrieg zu zwingen, der ganz den Interessen der USA entspricht. Das seit vielen Jahren vollkommen offen erklärte Ziel der USA ist es, Russland zu schwächen und am Ende seine Regierung zu stürzen und durch eine folgsamere, siehe Kiew, zu ersetzen. Außerdem hat der Krieg in der Ukraine den USA auch die Möglichkeit gegeben, eine Propaganda-Offensive zu starten und die EU endgültig von Russland zu trennen.“ Siehe hier.

Waffenlieferungsgesetz bei russischem Einmarsch schon im Januar eingereicht

Die Medien meldeten in diesen Tagen, dass die USA ein neues Land-Lease-Gesetz verabschiedet haben. Ein solches Land-Lease-Gesetz (oder Leih-und-Pacht-Gesetz) hatten die USA bereits 1941 verabschiedet, um den Briten schneller Waffen für ihren Krieg gegen Nazi-Deutschland liefern zu können, die die Briten dann irgendwann in der Zukunft bezahlen sollten. So ein Gesetz ist nun auch für die Ukraine und ihren Kampf gegen Russland verabschiedet worden. Die Medien feiern, dass Washington nun noch schneller noch mehr Waffen gegen Russland liefern könne. Der US-Kongress hat bei der Einreichung über das Gesetz geschrieben:

„Mit diesem Gesetzentwurf wird vorübergehend auf bestimmte Anforderungen im Zusammenhang mit der Befugnis des Präsidenten, Verteidigungsgüter zu verleihen oder zu leasen, verzichtet, wenn die Verteidigungsgüter für die ukrainische Regierung bestimmt sind und zum Schutz der Zivilbevölkerung in der Ukraine vor der russischen Militärinvasion erforderlich sind.“

„Das klingt in den Augen westlicher Strategen natürlich edel“, schreibt Thomas Röper, „es hat aber einen Schönheitsfehler: Der Gesetzentwurf wurde am 19. Januar 2022 eingereicht, also während man offiziell noch mit Russland über gegenseitige Sicherheitsgarantien verhandelt hat und über einen Monat vor Beginn der russischen Operation. Das zeigt, dass man in den USA wusste, dass die Russen auf die Ablehnung von Sicherheitsgarantien militärisch reagieren würden. Die USA haben den Konflikt bewusst herbeigeführt und sich rechtzeitig darauf vorbereitet.“

Doch nicht nur in den USA habe man gewusst, was man tut. Auch zum Beispiel Kanzler Scholz sei informiert gewesen, was in den USA und der NATO geschehe, wenn man Russlands Forderungen nach gegenseitigen Sicherheitsgarantien ablehne. So sagte er in der Tat am 27. März in der Talkshow von Anne Will deutlich,

„… so ganz ungeplant war das nicht, die Eskalation in der Ukraine hat sich ja schon lange Zeit abgezeichnet…“ (Video Min. 0:27) und die Russland-Sanktionen habe man „lange vor Kriegsausbruch“ vorbereitet. (Min. 4:37)

Der US-geführte kollektive Westen habe Russland ganz bewusst so lange an die Wand gedrückt, bis Russland keine andere Möglichkeit mehr gesehen habe, als seine Sicherheit militärisch zu sichern. Und man habe sich – das zeigten das Datum des Land-Lease-Gesetzes und die Äußerungen von Scholz – darauf vorbereitet.

Die Überraschung und das Entsetzen im Westen nach dem russischen Einmarsch seien geheuchelt, man habe diese Situation vielmehr bewusst herbeigeführt, um den in Washington schon seit Jahren gehegten Wunsch umzusetzen, Russland in einem Stellvertreterkrieg zu schwächen und es von Europa zu trennen. Darüber sei in Washington seit Jahren sogar offen gesprochen worden. Das habe er schon in einem anderen Artikel behandelt.

In diesem weist er zum einen auf das zum Verständnis der US-Geopolitik wesentliche Buch „Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ des einflussreichen US-Strategen Zbigniew Brzezinski hin, das bereits 1998 erschienen ist, und zum anderen auf einen weiteren einflussreichen  Strategen Georg Friedman, der in einem verlinkten Video, das anzuhören außerordentlich zu empfehlen ist, u.a. zu der zentralen Aussage kommt, die USA hätten seit dem Maidan-Putsch 2014 konsequent darauf hingearbeitet, die Ukraine entweder für sich zu militarisieren und Atomraketen fünf Flugminuten von Moskau entfernt aufzustellen, oder Russland dazu zu zwingen, das mit Gewalt zu verhindern. Und letzteres finde ja gerade statt. Siehe hier.

Bild: Soldaten im Kampfeinsatz
Autor: Rozbooy
Quelle: pixabay.com
Lizenz: public domain
Textquelle

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