StartKommentarDer Papst und die Nato

Der Papst und die Nato

Erst traute ich meinen Ohren nicht. Ein Freund teilte mir mit, der Papst in Rom habe sich zum Krieg in der Ukraine geäußert und dem Westen eine gehörige Portion an Mitverantwortung zugesprochen. Das wollte ich genauer wissen und ich begann in den Nachrichtenportalen danach zu suchen.

Von Gerhard Mersmann

Aber außer einem Kommentar Oskar Lafontaines und einer Liveschalte von BILD war nichts zu finden.

Kommentar zu Aussagen des Papstes von Oskar Lafontaine vom 5.5.2022 auf Facebook. (Screenshot: Neue Debatte)

Später am Abend und am kommenden Morgen versuchte ich es erneut. Fehlanzeige. So, wie es aussieht, sind die kritischen Äußerungen des Papstes der Zensur zum Opfer gefallen.

Kriegspropaganda auf Hochtouren

Nicht, dass es aus meiner Sicht erforderlich wäre, als Gegner der gegenwärtigen, hoch brisanten, toxischen und viele Tatsachen verdrehenden, euphorischen Kriegspolitik hierzulande den Papst als Allianz zu wissen, aber bemerkenswert ist es doch.

Da tauchen plötzlich Stimmen auf, von denen nicht zu vermuten war, dass sie sich erheben. Und eigenartigerweise kommen sie aus dem Lager, in dem man in entspannteren Zeiten den Diskurs über die Werte des Abendlandes, auf die sich schließlich gegenwärtig die schlimmsten Kriegstreiber berufen, beobachten konnte.

Und plötzlich, über Nacht, wurden ausgerechnet deren Sprecher zu unverantwortlichen Schwurblern und Hasenfüßen. So zu verfolgen gestern bei Bild, wo versucht wurde, den Papst als eine lächerliche, von Sinnen geratene Figur darzustellen. So schnell kann es gehen in diesen Tagen. Die Kriegspropaganda läuft auf Hochtouren. Aber trösten Sie sich, auch Dostojewskis Großinquisitor glaubte nicht an Gott.

Frei nach Rilke wäre zu konstatieren, dass jener, welcher bis jetzt nichts merkt, auch nichts mehr merken wird.

Zumindest die Bundesrepublik Deutschland ist in ihrer jetzigen Form nicht mehr mit dem Gebilde zu vergleichen, das vor wenigen Jahren noch zu zeichnen war. Es herrscht ein staatlich protegiertes, gesetzlich geschütztes Meinungsmonopol, das in den letzten zwei Jahren von den Vertretern der Regierung für ihre Auffassung von Corona-Politik gekapert wurde und nun von Waffenlobbyisten beherrscht wird.

Die Formen der Manipulation sich einfach wie brutal: Berichte immer nur von einer Kriegspartei, mit dem schamhaften Verweis, verifizierbar sei das nicht, um mit einer herzzerreißenden Szene über weinende alte Frauen und schluchzende Kinder zu enden. Dass es die auf beiden Seiten gibt, wurde noch nicht beobachtet. Klar ist nur eines: Wer sich jetzt gegen die Eskalation des Krieges stellt oder sich gar Gedanken über einen zukünftigen Frieden macht, hat entweder den Verstand verloren oder wird direkt von Putin bezahlt.

Es kommt, wie es kommen muss …

Irgendwann, wenn die Jetzigen bereits in den Beinhäusern vermodert sind, werden die Archive geöffnet werden und wiederum wird eine heranwachsende Generation die Frage stellen, wie es hat zu dieser Katastrophe kommen können, wo doch den vorgefundenen Dokumenten zufolge alles bekannt war:

  • Dass irgendwann Russland die Reißleine ziehen wird,
  • dass viele wussten, dass ein so sehr herbeigesehnter Nachfolger des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump mit Sicherheit die Option des Krieges ziehen wird,
  • dass ein Deutschland, das sich nicht freimacht von seinen Traumata, sich immer wieder ohne Sinn und Verstand moralisch wird erpressen lassen können, um in das nächste Verhängnis zu stürzen.

Aber was nützt es: Es kommt, wie es kommen muss. Sage niemand, wir hätten es nicht alle gewusst. Aber so ist es im Stadium des mentalen Niedergangs, da nutzen auch die klugen Worte eines Papstes nichts. Dann lieber gleich Zensur.

Bild: Papst Franziskus
Autor: Catholic Church England a
Quelle: flickr.com
Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0
Textquelle

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