StartWirtschaftFolgen der Sanktionen: Starker Rubel und steigende Armut in Deutschland

Folgen der Sanktionen: Starker Rubel und steigende Armut in Deutschland

Trotz aller Sanktionen und entgegen allen Prognosen westlicher „Experten“ ist der russische Rubel in den letzten 12 Monaten die gegenüber dem Euro die am stärksten angestiegene Währung.

Von Thomas Röper

Erinnern Sie sich noch, was die westlichen Regierungen zu Beginn der russischen Intervention in der Ukraine angekündigt und was westliche „Experten“ prognostiziert haben? Sie haben gesagt, dass sie die russische Wirtschaft und die russische Währung schnell zerstören würden. Und in den Medien haben sich – mal wieder – alle sogenannten Experten darin überboten, der russischen Währung den totalen Verfall, dem russischen Staat den Bankrott und der russischen Wirtschaft ein schnelles Ende zu prognostizieren.

Und tatsächlich ging der Rubel in den folgenden Wochen in den Sturzflug, weil man an den Finanzmärkten an diese Märchen geglaubt hat. Aber schon wenig später ist der Rubel wieder gestiegen und heute ist er weit mehr wert, als vor dem Beginn der russischen Intervention.

Wem die Russland-Sanktionen schaden

Mich hat überrascht, dass ausgerechnet der Focus das in einem Artikel mit der Überschrift „Rubel steigt am stärksten – Euro schmiert ab: So holen wir uns noch mehr Inflation nach Deutschland“ thematisiert hat. In dem Artikel erfahren wir, dass der russische Rubel seit Mai 2021, also in den letzten 12 Monaten, die gegenüber dem Euro am stärksten gestiegene Währung ist. Der Rubel hat in den letzten 12 Monaten gegenüber dem Euro um ganze 27,9 Prozent, also um fast ein Drittel, an Wert gewonnen.

Wir sehen es auf allen Gebieten: Die Sanktionen schaden Russland zwar durchaus, aber sie schaden den europäischen Ländern weit mehr. Die Preise in Europa steigen, der Spiegel hat gerade unter der Überschrift „Angst vor sozialen Unruhen wegen Krieg und Pandemie – Geht Deutschland auf die Barrikaden?“ einen ausführlichen Artikel über die dank der steigenden Preise stark steigende Armut in Deutschland veröffentlicht. In dem Artikel ging es darum, dass sich die Zahl der Menschen, die auf kostenlose Lebensmittel von den Tafeln angewiesen sind, verdoppelt hat. Und man kann dort zum Beispiel lesen:

„Die Preise für Tomaten und Gurken sind in Deutschland seit Anfang 2020 um rund 44 Prozent gestiegen. Sonnenblumenöl und ähnliche Öle verteuerten sich um knapp 36 Prozent. Eier kosten nun 20 Prozent mehr. Heizkosten sind explodiert. Benzin kostet beständig zwei Euro oder mehr, Diesel ist noch teurer.“

Und natürlich weiß der Spiegel sehr genau, wer daran schuld ist:

„»Putins Krieg hat uns alle ärmer gemacht – und zwar auf Dauer«, sagt Andreas Peichl, der am Ifo-Institut zur Vermögensverteilung forscht.“

Die Schuld auf andere abschieben

Das ist natürlich Unsinn, denn „Putins Krieg“ hat niemanden in Deutschland ärmer gemacht. Das haben die Deutschen einzig und allein der EU-Kommission zu verdanken, die mit ihren Sanktionen für die Preissteigerungen gesorgt hat. Vor allem die Sanktionen gegen russische Banken haben dazu geführt, dass der Handel zwischen der EU und Russland fast eingestellt wurde.

Der Grund ist, dass niemand Bestellungen für eine Ware annimmt, wenn er nicht weiß, ob sie hinterher auch bezahlt werden kann, oder ob die Zahlungen durch neue Sanktionen verboten werden. Und niemand bezahlt für eine Ware per Vorkasse, wenn er nicht weiß, ob diese Ware auch geliefert wird, oder ob sie nächste Woche auf einer Sanktionsliste landet.

Das Märchen von der angeblich schwachen russischen Wirtschaft löst sich gerade in Luft auf, denn Russland ist für Europa bei vielen Waren einer der wichtigsten Lieferanten. Das gilt sowohl für viele Lebensmittel, wie zum Beispiel Sonnenblumenöl oder Weizen, aber auch für Düngemittel, die man in der EU für die Landwirtschaft dringend braucht.

Und da die Produktion von Düngemitteln sehr energieintensiv ist und Russland auch einer der wichtigsten Energielieferanten Europas ist, kann die EU das nicht einmal durch den Aufbau einer eigenen Düngemittelindustrie ausgleichen, weil europäische Düngemittel aufgrund der steigenden Energiepreise unbezahlbar wären.

Die Misere, die jeder in Europa im eigenen Geldbeutel spürt, ist also hausgemacht, der böse Putin kann nichts dafür. Und wenn Sie jetzt einwenden sollten, dass die EU aus moralischer Sicht ja keine andere Wahl hatte, als Russland zu sanktionieren und die Menschen nun eben bereit sein müssen, im Kampf für „die westlichen Werte“ den „unvermeidlichen“ Preis zu bezahlen, dann habe ich eine Frage:

Wo war denn der Kampf für diese „westlichen Werte“ als die USA den auf Lügen basierenden und völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Irak vom Zaun gebrochen und bis zu einer Million irakischer Zivilisten abgeschlachtet haben? Warum hat die EU damals keine harte Sanktionen gegen die USA verhängt, amerikanische Diplomaten ausgewiesen und den Handel mit den USA faktisch eingestellt?

Man sieht an diesem einfachen Beispiel, wie verlogen die Argumentation, „Putins Krieg“ sei an allem schuld, ist. Schuld an der Misere sind die europäischen Regierungen und vor allem die EU-Kommission, die Europa die explodierenden Preise für Strom und Heizung schon vor dem Beginn von „Putins Krieg“ beschert hat, indem sie auf weniger langfristige Lieferverträge für Gas aus Russland und auf den Börsenhandel mit Gas gesetzt hat. Nun macht die EU-Kommission unbeirrt weiter und führt Sanktionen gegen Russland ein, unter denen die EU mehr leidet als Russland. Oder anders gesagt: Die EU sanktioniert sich selbst.

Wie leicht all das hätte verhindert werden können

Der wichtigste Grund für Russlands Intervention in der Ukraine war, dass der Westen die Ukraine in die NATO holen wollte und unter dem Deckmantel von „Ausbildungsmissionen“ und „Militärberatern“ bereits tausende NATO-Soldaten in der Ukraine stationiert hatte. Russland hat von den USA und der NATO Mitte Dezember gegenseitige Sicherheitsgarantien gefordert, zu denen gehörte, dass die Ukraine nicht in die NATO aufgenommen wird und dass in dem Land keine NATO-Truppen stationiert werden.

Russland hat damals ganz deutlich gesagt, dass es im Falle eines Scheiterns der Gespräche darüber „militärtechnisch“ reagieren würde. Nachdem vor allem die NATO es in geradezu arroganter Form abgelehnt hat, darüber auch nur zu verhandeln, konnte niemand überrascht sein, dass Russland militärisch interveniert. Die arrogante Ablehnung der NATO war auch das Werk europäischer Politiker.

Jeder, der heute unter den steigenden Preisen in Europa leidet, muss sich (und vor allem seine Regierung) fragen, ob die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine das wert war. Wäre die Welt untergegangen, wenn die Ukraine ein neutrales Land geblieben wäre?

Wohl kaum, aber nachdem der Westen es abgelehnt hat, mit Russland über das Thema auch nur zu reden, sind wir dem möglichen Weltuntergang einen großen Schritt näher gekommen, wenn man sich das Gerede westlicher Politiker über den Einsatz von Atomwaffen anhört. Und ja: Auch wenn westliche Medien etwas anderes behaupten, russische Politiker sprechen nicht über die Möglichkeit, Atomwaffen einzusetzen, das tun westliche Politiker.

Wenn wir eine echte Presse hätten…

All das ist jedem Experten bekannt, aber die westlichen Medien stellen es vollkommen anders dar. Wenn es in Deutschland eine freie und kritische Presse gäbe, dann würde die Presse der Regierung jeden Tag folgende Fragen stellen: War es das wert? Warum vernichtet die Regierung mit ihren Entscheidungen den bescheidenen Wohlstand der Menschen in Deutschland? Ist all das wirklich im Interesse der Menschen in Deutschland?

Oder wäre es im Interesse der Menschen in Deutschland (und übrigens auch der Menschen in der Ukraine) gewesen, der Ukraine den NATO-Beitritt dauerhaft zu verwehren und so „Putins Krieg“ zu verhindern? Dann wäre all das nicht passiert, denn würden in der Ukraine keine Menschen sterben und in Deutschland hätten wir das Elend nicht, das wir gerade heranwachsen sehen.

Aber leider haben wir in Deutschland keine freie und kritische Presse, sondern wir haben eine gleichgeschaltete Presse, der die geopolitischen Interessen der USA weitaus wichtiger sind, als die Interessen der Menschen in Deutschland, also als die Interessen ihrer eigenen Leser.

Bild: Inflation durch die Lupe betrachtet
Autor: Gerd Altmann
Quelle: pixabay.com
Lizenz: public domain
Textquelle via anti-spiegel.ru

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