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Washington lässt Riad fallen

Zwischen dem saudischen Königshaus und dem Weißen Haus in Washington kriselt es. Der anhaltende Krieg im Jemen ist geeignet, die Situation zusätzlich zu verschärfen. Ein Blick auf die veränderten Beziehungen zwischen Riad und Washington.

Redaktion

Dieser Beitrag setzt sich zusammen aus zwei verschiedenen Artikeln unterschiedlicher Autoren. Zum einen beschreibt VoltaireNet die derzeit vorherrschenden Spannungen zwischen den USA und dem saudischen Königshaus. Diesem Artikel folgt ein weiterer Beitrag des Finanzjournalisten Lars Schall, der auf die Verbindung Saudi Arabiens zum Anschlag vom 11. September Bezug nimmt.

Allein, dass die amerikanische Bundespolizei FBI diese Informationen öffentlich macht, zeigt den deutlichen Riss in den saudisch-amerikanischen Beziehungen. Aus diesem Grund habe ich beide Beiträge unter einer Überschrift in Reihe geschaltet.

Nichts läuft mehr zwischen Riad und Washington

Die Ernennung von Michael Ratney zum US-Botschafter in Saudi-Arabien wurde in Riad als Beweis für Washingtons Desinteresse an der saudischen Monarchie gewertet. Herr Ratney ist in der Tat ein Zivilist, während das Quincy-Abkommen den militärischen Schutz der Saud-Familie im Austausch für den Zugang zu ihrem Öl vorsieht.

Von VoltaireNet

In den letzten Jahren hat das Pentagon weder Saudi-Arabien noch die Vereinigten Arabischen Emirate gegen die jemenitischen Huthi-Angriffe verteidigt. Es forderte, dass diese beiden Länder ihren Krieg im Jemen fortsetzen und die Bab-el-Mandeb-Straße nicht in den Händen der Iraner lassen. Damit seine Präferenzen deutlich werden, eröffnete Präsident Biden Gespräche mit dem Iran und strich die Huthis von der US-Liste der Terrororganisationen.

Zu diesem Konflikt fügte Präsident Biden seine Beschuldigung von Kronprinz Mohamed bin Salman, als Mörder nach der Ermordung des Muslimbruders und Journalisten Jamal Kashoggi und Saudi-Arabien als Paria hinzu.

Saudi-Arabien hat sich geweigert, seine Ölproduktion zu erhöhen, um das Embargo für russische Kohlenwasserstoffe auszugleichen. Der ehemalige Chef des Geheimdienstes, Prinz Turki Al-Faisal, sagte gegenüber Arab News, sein Land fühle sich von seinem amerikanischen Verbündeten im Stich gelassen.

Übersetzung: Horst Frohlich
Textquelle

9/11: Die Saudi-Connection

Neu veröffentlichte Dokumente des FBI legen nahe, dass eine direkte Verbindung zwischen saudischen Offiziellen und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 bestand.

Von Lars Schall

Wie Sie hier lesen können, zeigt ein kürzlich freigegebener Report des FBI zahlreiche Verbindungen auf, die zwischen saudischen Offiziellen und zwei Flugzeugentführern vom 11. September 2001 (Khalid al-Mihdhar und Nawaf al-Hazmi) bestanden. Der Report ist Teil einer bislang geheimen FBI-Untersuchung (Operation Encore) über die Rolle saudischer Staatsbürger bei den 9/11-Terroranschlägen. Aus den Aufzeichnungen des US-Justizministeriums, die zuvor als „Staatsgeheimnis“ deklariert worden waren, geht hervor, dass saudische Regierungsbeamte wissentlich ein Unterstützungsnetzwerk für die beiden Al-Qaida-Hijacker bereitgestellt haben.

In diesem Zusammenhang folgt hier ein kleiner Auszug aus dem Buch „Denken wie der Feind – Teil 1“ (S. 111-112):

…Ein streng geheimes CIA-Memo vom 2. August 2002 kam zum Schluss, die saudische Regierung habe zwei Akteuren des 11. September, Khalid al-Mihdhar und Nawaf al-Hazmi, Unterstützung geleistet. Das CIA-Memo wird zwar in einem Bericht des US-Kongresses besprochen; der Abschnitt des Berichts, der dieses Memo erwähnt, wurde allerdings nicht zur Veröffentlichung freigegeben.

Gleichwohl sickerten im Laufe der Jahre einige Inhalte durch. Demnach wurden al-Mihdhar und al-Hazmi, als beide im Frühjahr 2000 am Flughafen von Los Angeles landeten, „von einem anderen Saudi, Omar al-Bayoumi, abgeholt, der ihnen 1500 Dollar in bar übergab, sie in seine Wohnung mitnahm und ihnen half, sich an der Flugschule zu bewerben.

Al-Bayoumi arbeitete für Dallah Avco, eine saudische Fluglinie“, die von Prinz Sultan bin Abdulaziz geleitet wurde, dem Vater von Prinz Bandar – welcher in Washington D.C. als saudischer Botschafter diente. Dallah Avco „ist ein Hauptvertragspartner des saudischen Verteidigungs- und Luftwaffenministeriums.“

Bei al-Bayoumi gingen in den folgenden Monaten regelmäßig Schecks ein, die von Prinz Bandar und dessen Frau, der Prinzessin Haifa bin Faisal, kamen. Später gaben beide an, „dass das Geld für wohltätige Zwecke gespendet wurde … und dass sie keine Ahnung hatten, dass das Geld umgeleitet wurde, um die Flugzeugentführer des 11. September zu finanzieren.

Nach dem 11. September befragten britische Behörden al-Bayoumi in London über den Pfad des saudischen Geldes hin zu bin Ladens Flugzeugentführern. Sie fanden geheime Unterlagen mit privaten Telefonnummern von führenden saudischen Regierungsbeamten, freigelegt unter dem Fußboden seiner Londoner Wohnung. Die Untersuchung führte zu nichts: al-Bayoumi wurde kurz darauf entlassen und verschwand in Saudi-Arabien.“

Ein weiterer Unterstützer von al-Midhar und al-Hazmi war ein Mitarbeiter des saudischen Ministeriums für islamische Angelegenheiten namens Fahad al-Thumairy, der wiederum Unterstützung durch Mussaed Ahmed al-Jarrah erhielt, einem Mitarbeiter der saudischen Botschaft in Washington, D.C.

Der ehemalige FBI-Agent John Guandolo, der im FBI-Büro in Washington, D.C. an der 9/11-Untersuchung beteiligt war, sagte später, Prinz Bandar hätte in der Ermittlung als „wichtiger Verdächtiger“ behandelt werden müssen, da er durch einen Dritten zwei der 9/11-Hijacker finanziert habe. Insgesamt sollen 130.000 US-Dollar vom Familienkonto des saudischen Prinzen nach Kalifornien überwiesen worden sein.

Für den 13. September 2001 erhielt Bandar eine Einladung ins Weiße Haus. Seinem Gespräch mit Präsident Bush, bei dem „die zwei alten Familienfreunde Zigarren auf dem Truman-Balkon tauschten“, folgte die Entscheidung, „Dutzende einflussreiche Saudis, darunter auch Angehörige von Osama bin Laden, aus den Vereinigten Staaten“ zu evakuieren, als der Flugverkehr in den USA noch weitestgehend lahmgelegt war.

Für diese Entscheidung setzten sich mehrere „Top-Offizielle des Weißen Hauses persönlich“ ein, darunter der Anti-Terrorberater Richard Clarke, „der das Krisenteam des Weißen Hauses nach den Angriffen leitete“. Clarke sagte später, „er habe dem außergewöhnlichen Plan zugestimmt, da ihm vom Federal Bureau of Investigation versichert worden sei, dass die ausreisenden Saudis nicht mit Terrorismus in Verbindung stünden.“ Die evakuierten Saudis wurden vom FBI nicht verhört; das FBI diente stattdessen als reine Sicherheitseskorte, um sie zu den Flugplätzen zu geleiten.

Textquelle

Bild: Mike Pompeo zu Besuch in Saudi Arabien – Michael R. Pompeo trifft sich am 22. November 2020 in Neom, Saudi-Arabien, mit Kronprinz Mohammed bin Salman.
Autor: Ron Przysucha
Quelle: flickr.com
Lizenz: public domainUrheberrecht bei der U.S.-Regierung

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