StartEuropaDer Gaspoker der EU mit dem niedrigsten Blatt

Der Gaspoker der EU mit dem niedrigsten Blatt

Die ökonomischen Kenntnisse der EU-Kommission und ihrer Berater sind entweder begrenzt, oder man hofft mit einem Bluff durchzukommen. Die Sanktionen, die auf Wunsch von Washington und London durchgezogen werden, drohen in einem kompletten wirtschaftlichen und finanziellen Desaster zu enden, das auf den Wohlstand und Arbeitsplätze katastrophale Auswirkungen haben wird.

Von Dr. Peter F. Meyer

Spätestens im Winter wird es in Europa düster aussehen, was die Versorgung mit Flüssigerdgas (LNG) angeht. Das Angebot reicht nicht aus, um die europäische Nachfrage zu decken. Und vor 2024 ist keine Besserung in Sicht. Die Sanktionen gegen Russland sind ein Schlag für die Bevölkerung und die Wirtschaft der Länder.

Die Europäer befinden sich derzeit in einer regelrechten Zwickmühle. Einerseits wollen die Politiker Russland wirtschaftlich und finanziell in die Ecke treiben, indem sie keine Energieträger (Erdöl, Erdgas und Kohle) mehr von dort beziehen, andererseits gibt es auf den Weltmärkten nicht genügend Ersatz für das russische Angebot.

Die Dieselpreise sind bereits in die Höhe geschossen, wie sich jeder an den Tankstellen leicht selbst überzeugen kann, und auch beim Erdgas sieht es nicht rosig aus.

Einem Bericht von Rystad Energy zufolge wird die weltweite Nachfrage nach Liquid Natural Gas (LNG – verflüssigtem Erdgas) in diesem Jahr auf 436 Millionen Tonnen steigen, während das Gesamtangebot nur 410 Millionen Tonnen beträgt.

Das liegt daran, dass erst mehr Verflüssigungsanlagen und vor allem Transportschiffe gebaut werden müssen, um den durch die Sanktionen gegen Russland stark gestiegenen und unbefriedigten Bedarf zu decken.

Das wird lange dauern. Im Winter wird in Ländern der EU das Gas ausgehen, vor allem, weil sie sich auf das billigere Erdgas über die Pipelines aus Russland verlassen haben, das nun aber mit einem Embargo belegt werden soll.

Der REPowerEU-Plan der Europäischen Union zielt darauf ab, die Abhängigkeit von russischem Gas in diesem Jahr um zwei Drittel zu verringern. Dieses Ziel kollidiert mit dem Ziel der EU, die Gasspeicher bis zum 1. November zu 80 Prozent zu füllen.

Doch damit bringt die EU den globalen LNG-Markt durcheinander und verursacht weltweit enorme Preissteigerungen. Das bedeutet, dass andere Länder unter der EU-Energiepolitik leiden, weil sie nun viel höhere Kosten zu tragen haben. Wobei diese Politik auf Wunsch der US-Regierung betrieben wird.

„Es gibt nicht genug LNG, um die Nachfrage zu decken. Kurzfristig wird dies zu einem strengen Winter in Europa führen“, sagt Kaushal Ramesh, Senior Analyst für Gas und LNG bei Rystad Energy.

Für die Produzenten bedeutet dies, dass der nächste LNG-Boom vor der Tür steht, aber er wird zu spät kommen, um den starken Anstieg der Nachfrage zu decken. Die Voraussetzungen für ein anhaltendes Angebotsdefizit, hohe Preise, extreme Volatilität, boomende Märkte und eine verstärkte LNG-Geopolitik sind gegeben.

Wenn die russischen Gaslieferungen morgen ausfallen würden, wären die derzeitigen Gasreserven (die zu etwa 35 Prozent gefüllt sind) wahrscheinlich noch vor Jahresende erschöpft, so dass Europa einem brutalen Winter ausgesetzt wäre.

Privathaushalte und Industrie würden enorm darunter leiden, und viele Unternehmen müssten möglicherweise sogar die Produktion einstellen. Ganze Industriestandorte in Europa würden innerhalb weniger Monate zusammenbrechen, weil europäische Politiker sie lieber aus ideologischen Gründen opfern.

Das sind wohl für Länder wie Ungarn genug Gründe um bei der Harakiri Politik der EU-Politiker nicht mitmachen zu wollen.

Bild: Europa als der große Verlierer
Autor: Gerd Altmann
Quelle: pixabay.com
Lizenz: public domain
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