StartNatur & UmweltChemikalienbelastung von Menschen in Europa ist bedenklich hoch

Chemikalienbelastung von Menschen in Europa ist bedenklich hoch

 Potenziell schädliche Chemie im Blut von fast jedem: Ein Bio-Monitoring-Projekt der EU präsentierte Ende April seine Ergebnisse.

Von Daniela Gschweng

Phthalate, Bisphenole, PFAS, PAK, Aniline, Blei, Cadmium, Quecksilber, Chrom und viele andere: Der Mensch ist zahlreichen Umweltchemikalien ausgesetzt. Viele davon sind giftig, einige in Europa bereits verboten. Aber wie stark ist der Einzelne belastet und welche Konsequenzen hat das?

Seit Ende April 2022 weiß man darüber etwas genauer Bescheid. Nach fünf Jahren Arbeit präsentierte das europäische Bio-Monitoring-Projekt HBM4EU (Human-Biomonitoring Initiative)  in Brüssel seine Ergebnisse.

Quasi jeder hat PFAS und Weichmacher im Blut

Menschen in Europa sind teilweise in bedenklichem Masse mit Chemikalien belastet, fand das 2017 begonnene Projekt, an dem neben 25 EU-Ländern auch Norwegen, Island, Israel, Nordmazedonien und die Schweiz teilnehmen.

So fanden sich bei allen untersuchten Kindern und Jugendlichen Weichmacher, wie sie in Plastikprodukten eingesetzt werden. In der europäischen Bevölkerung sei die Belastung mit Weichmachern «bedenklich hoch», fasst das deutsche Bundesumweltministerium zusammen, das die Leitung von HBM4EU innehat.

Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche

Im Blut sämtlicher Jugendlicher fanden sich weiter per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), bei einem Viertel der untersuchten Personen in einer Menge, bei der gesundheitliche Folgen nicht ausgeschlossen werden können. Ein Teil der gefundenen PFAS, die zu den «ewigen Chemikalien» gehören, ist längst verboten. Aber auch ihre Ersatzstoffe sind problematisch, stellt sich nach und nach heraus.

Ähnliches gilt für Bisphenole, die sich zum Beispiel im Thermopapier von Kassenzetteln oder Parkhaus-Tickets finden. Auch da wurde das hormonaktive Bisphenol-A durch andere Stoffe ersetzt, die womöglich nicht weniger schädlich sind. Für Kinder und Heranwachsende sind hormonell wirksame Chemikalien besonders ungünstig.

Eine europäische Bio-Monitoring-Datenbank ist geplant

Die Biomonitoring-Initiative, die offiziell noch bis Sommer 2022 läuft, sollte eine Faktengrundlage für die Umwelt- und Chemikalienpolitik liefern. Vorhandene Daten sollten zusammengeführt, Wissenslücken geschlossen werden. Das von Horizont 2020 geförderte EU-Projekt soll in ein System überführt werden, mit dem die Schadstoffbelastung der europäischen Bevölkerung und ihre gesundheitlichen Risiken erfasst werden können. Ein Nachfolgeprojekt namens PARC hat bereits begonnen.

Aktuell sind die Daten zum Beispiel für die Gefährlichkeit von Mischungen interessant. Um deren Wirkung einschätzen zu können, müssen Entscheidende erst einmal wissen, welchen Chemikalien-Cocktail ein Durchschnittseuropäer in sich trägt.

Organisationen wie Chem Trust begrüßen die entstandene Datensammlung. Mit deren Hilfe könnte die reale Schadstoffbelastung der Menschen in Europa sowie mögliche gesundheitliche Folgen besser abgeschätzt und Schäden eher nachgewiesen werden, sagt Ninja Reineke, Head of Science und Vorstandsvorsitzende von Chem Trust Europe.

Auch auf gesetzgebender Ebene tut sich etwas: Bis 2030 könnten tausende Einzelsubstanzen in der EU verboten werden. Und zwar – das ist neu – gleich gruppenweise, kündigte die EU-Kommission ebenfalls Ende April an.

Bild: Gift
Autor: 6847478
Quelle: pixabay.com
Lizenz: public domain
Textquelle

RELATED ARTICLES
- Advertisment -
Google search engine

Most Popular

Recent Comments