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Neue Stimmen hat das Land

Vier-Kolumne Nummer drei. Nach Zensur im großen Stil (Trusted News Initiative) und Cancel Culture in Deutschland (Reaktionen auf die Kunstaktion #allesdichtmachen) habe ich diesmal nach etwas Positivem gesucht. Herausgekommen sind 4.500 Druckzeichen über die Welt der Oppositionsmedien. Übrigens: Der Kontrafunk ist seit gestern (21. Juni) rund um die Uhr auf Sendung.

Von Prof. Michael Mayen

Die „Stimme der Vernunft“ und andere Blüten im Sumpf der Zensur

Politik, Journalismus und Digitalkonzerne führen Krieg gegen Oppositionsmedien. Schon Hölderlin wusste: Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.

Jahresrückblick der Demokratiebewegung“ steht auf dem gelben Heft, das ich neulich aus dem Briefkasten nahm. Ein schweres Heft. Fast 150 Seiten bestes Papier. Ich wollte ein wenig blättern und habe dann gar nicht mehr aufhören können. Tolles Layout, großartige Fotos, noch bessere Texte. Markus Fiedler, Kathrin Schmidt, Milosz Matuschek. Und, und, und. Es war Samstag. Ich habe dann noch das „Nackte Niveau“ gehört (einen Podcast mit Paul Brandenburg und Milena Preradovic), die „Empfehlungen“ von Multipolar angeschaut (eine Chronik des Tages, die öffentlich-rechtliche und sonstige Nachrichtenanbieter um Längen schlägt), die Hintergrund-Medienrundschau von Helge Buttkereit gelesen und mich auf Sonntag gefreut.

Kontrafunk mit Burkhard Müller-Ullrich, der zwei Jahre und über 200 Sendungen lang für Indubio stand, seit März unter einem neuen Label arbeitet und dort an einem Radio bastelt, das ab dem Sommer rund um die Uhr senden wird.

Das Wort „basteln“ klingt ein wenig despektierlich und ist hier eigentlich vollkommen fehl am Platz. Ich spreche von Profis und von einem Qualitätssprung, den wir (das ist die These dieses Textes) dem Zensurregime zu verdanken haben, das EU, Bundesregierung und Silicon-Valley-Riesen im Schatten von Corona installiert und perfektioniert haben. Netzwerkdurchsetzungsgesetz (2017) und Medienstaatsvertrag (2020), der EU-Verhaltenskodex zur „Bekämpfung von Desinformation“ (2018) und die „Trusted News Initiative“ (2019).

Nicht zu vergessen die Faktenchecker, der Verfassungsschutz (KenFM!) und natürlich all die kleinen Netzwächter von NewsGuard (2018) bis zu der „Blockwart-Truppe“ (Hannes Hofbauer), die unter dem Namen „Trusted Flagger“ YouTube frei hält von allem, was transatlantischen Interessen widerspricht: Wer das Gespräch und den Austausch von Argumenten für die Seele der Demokratie hält, kann eigentlich nur noch „Gute Nacht“ sagen. Medienfreiheit war gestern, vielleicht. Heute propagieren die Leitmedien das, was ganz oben gerade angesagt ist, und bekämpfen oder ignorieren alles, was dem widerspricht.

Trotzdem liegt dieses schöne gelbe Heft aus dem „Sodenkamp & Lenz Verlagshaus“ in meinem Briefkasten. Paul Brandenburg, in einem früheren Leben Arzt, hat einen „Streamingdienst der freien Medien“ gegründet. Und Burkhard Müller-Ullrich, einst unter anderem beim Deutschlandfunk, lässt heute nicht nur die „Stimme der Vernunft“ zu Wort kommen, sondern erfindet ganz nebenbei den Journalismus neu. In den düsteren Stunden um die Jahreswende gab es bei ihm „Indubio World“ – ein Format, in dem Menschen wie Sie und ich erzählen durften, wie sie die Corona-Politik erleben.

Einziger Unterschied zu uns: Diese Menschen wohnen weit weg. Uganda, Südkorea, Togo, Ecuador, Neuseeland. Ich habe dort nicht nur faszinierende Lebensgeschichten gehört, sondern auch wache und intelligente Beobachter, die von keiner Lobby zu korrumpieren sind. Wer nur einmal im Radio spricht, muss weder einen Chefredakteur fürchten noch den deutschen Botschafter oder die NGO vor Ort. Das waren Auslandsreportagen vom Feinsten, gesendet in einer Zeit, in der die Leitmedien die Augen vor der Welt verschlossen.

Das Schöne ist: Burkhard Müller-Ullrich steht hier nur pars pro toto. Ich könnte eine ganze Vier-Ausgabe füllen mit Berichten über die neuen Medienmenschen, die einfach machen, weil sie sehen, dass es sonst niemand tut. Ich war bei Julia Szarvasy im Bus-Office (NuoViso) und bei eingeschenkt.tv in Dresden (Alex Quint und Thomas Schenk), im Apolut-Studio (wo schon bald auch das Erfolgsformat „Positionen“ wiederbelebt wird).

Dasselbe bei Walter van Rossum aus der Rubikon-Bestsellerfabrik und in den neuen Räumen von Ovalmedia, wo es längst nicht mehr nur um Dokumentarfilme geht oder um den Corona-Ausschuss. Robert Cibis baut hier ein Medienhaus, das ohne die üblichen Finanzierungs- und Vertriebsfundamente stehen soll und allen politischen oder sonstigen Stürmen trotzen dürfte, weil es von unten getragen wird – von denen, die wissen, dass Lebensqualität und guter Journalismus zusammenhängen.

Bild: Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (Rosa Luxemburg)
Autor: Markus Winkler
Quelle: pixabay.com
Lizenz: public domain
Textquelle

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