StartWirtschaftDas Entstehen der multipolaren Weltordnung: BRICS+ gegen G7 samt NATO

Das Entstehen der multipolaren Weltordnung: BRICS+ gegen G7 samt NATO

Seit dem Ende der Sowjetunion und der Auflösung des Warschauer Pakts konnten die USA die Rolle des Alleinherrschers mehr oder weniger unbehindert einnehmen. Wer nicht spurte, wurde mit Sanktionen belegt. Der Versuch dies gegenüber Russland zu weit zu treiben, führt nun zum Ende dieser unipolaren Herrschaft.

Von Dr. Peter F. Mayer

Russland ist heute stärker als es die Sowjetunion war – was die wirtschaftliche Kraft anlangt, sowie die technologische, wissenschaftliche und damit auch die militärische Stärke. Und sie bauen an Bündnissen, die stärker sein werden als es der Warschauer Pakt jemals war.

Das jüngste und bedeutendste Beispiel für diese Bündnispolitik war die Gründung von BRICS+ auf dem Online-Gipfel, der vorige Woche in Peking stattfand. Dieser ging weit über die Festlegung der Grundzüge einer „neuen G8, geschweige denn einer Alternative zur G7, hinaus.

Ein Blick auf die Gesprächspartner der fünf historischen BRICS Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) zeigt einen Mikrokosmos des Globalen Südens, der Südostasien, Zentralasien, Westasien, Afrika und Südamerika umfasst und das „Globale“ wahrhaftig in den Globalen Süden bringt.

Es ist aufschlussreich, dass die klaren Botschaften des russischen Präsidenten Wladimir Putin während des Gipfels in Peking im Gegensatz zur G7-Propaganda an den gesamten Globalen Süden gerichtet waren:

  • Russland wird seinen Verpflichtungen zur Lieferung von Energie und Düngemitteln nachkommen.
  • Russland erwartet eine gute Getreideernte – und wird bis zu 50 Millionen Tonnen auf die Weltmärkte liefern.
  • Russland wird die Durchfahrt von Getreideschiffen in internationale Gewässer sicherstellen, auch wenn Kiew die ukrainischen Häfen vermint.
  • Die negative Situation für ukrainisches Getreide wird künstlich aufgebauscht.
  • Der starke Anstieg der Inflation auf der ganzen Welt ist das Ergebnis der Verantwortungslosigkeit der G7-Länder, nicht der Operation Z in der Ukraine.
  • Das Ungleichgewicht in den Weltbeziehungen hat sich seit langem zusammengebraut und ist zu einem unvermeidlichen Ergebnis der Erosion des Völkerrechts geworden.

Daran ist ganz besonders der erste Punkt interessant. Man will an kooperativen Partnern Nahrungsmittel, Energie und Düngemittel liefern. Länder wie Ägypten und im Grunde genommen ganz Nordafrika, Libanon und andere aus der arabischen Welt sind ganz oder zumindest stark abhängig von Getreidelieferungen für die Versorgung ihrer Bürger.

Die Kontroversen des arabischen Frühlings entzündeten sich eben genau an Nahrungsmittelmangel, die zu Preiserhöhungen und Knappheit führten. Die Regierungen dieser Länder werden die Bereitschaft Russlands sehr schätzen, sie mit allem Nötigen zu versorgen.

Ein alternatives System

Putin sprach auch direkt eines der wichtigsten Themen an, das die BRICS seit den 2000er Jahren immer wieder erörtert haben und das jetzt wirklich dringend geworden ist – die Gestaltung und Einführung einer internationalen Reservewährung.

„Das russische Finanznachrichtensystem ist offen für die Verbindung mit den Banken der BRICS-Länder“, und weiter:

„Das russische MIR-Zahlungssystem baut seine Präsenz aus. Wir prüfen die Möglichkeit, eine internationale Reservewährung auf der Grundlage eines Korbes von BRICS-Währungen zu schaffen“, so der russische Regierungschef.

Darüber wurden in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder intensive Gespräche geführt mit Ländern wie Iran oder Indien.

Die Einführung einer neuen Reservewährung und die Schaffung eines von den USA und SWIFT unabhängigen Zahlungssystems ist nach den hysterischen westlichen Sanktionen und dem zunehmenden Handel zwischen den BRICS-Staaten unvermeidlich. Bis 2030 wird beispielsweise ein Viertel des weltweiten Ölbedarfs von China und Indien kommen, wobei Russland der Hauptlieferant sein wird.

Die „RIC“ in den BRICS-Staaten können es einfach nicht riskieren, von einem G7-dominierten Finanzsystem ausgeschlossen zu werden. Sogar Indien, das versucht mit beiden Seiten Kontakt zu halten und um das sich die USA intensiv bemühen, fängt an, das zu begreifen.

Wer spricht für die „internationale Gemeinschaft“?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt repräsentieren die BRICS 40 Prozent der Weltbevölkerung, 25 Prozent der Weltwirtschaft, 18 Prozent des Welthandels und tragen über 50 Prozent zum Weltwirtschaftswachstum bei. Alle Indikatoren sind auf dem Weg nach oben. Sergey Storchak, CEO der russischen Bank VEG, formulierte es recht diplomatisch:

„Wenn die Stimmen der Schwellenländer in den kommenden Jahren nicht gehört werden, müssen wir sehr ernsthaft über die Einrichtung eines parallelen regionalen Systems oder vielleicht eines globalen Systems nachdenken.“

Ein „paralleles regionales System“ wird bereits aktiv zwischen der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAEU) und China diskutiert, koordiniert vom Minister für Integration und Makroökonomie Sergey Glazyev, der kürzlich ein beeindruckendes Manifest verfasst hat, in dem er seine Vorstellungen von weltwirtschaftlicher Souveränität darlegt.

Die BRICS stehen für De-facto-Multilateralismus, die Konzentration auf die globale Entwicklung, die Zusammenarbeit für den wirtschaftlichen Aufschwung und die Verbesserung der globalen Governance.

Die USA mit ihrem Gefolge stehen hingegen für die Mentalität des Kalten Krieges, die Ausbeutung der Entwicklungsländer, die gemeinsame Eindämmung Chinas und eine „America-first“-Politik, die die monopolistische „regelbasierte internationale Ordnung“ festschreibt.

Bild: Die Teilnehmer des BRICS-Gipfel 2017
Autor: Presse- und Informationsbüro des Präsidenten der Russischen Föderation
Quelle: wikimedia.org via kremlin.ru
Lizenz: CC BY 3.0
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