StartMedienSWR-Redakteur wirft öffentl.-rechtl. Sendern Einseitigkeit und Regierungs-Propaganda vor

SWR-Redakteur wirft öffentl.-rechtl. Sendern Einseitigkeit und Regierungs-Propaganda vor

Wächst endlich der Widerstand der Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegen dessen einseitige, lügenhafte und propagandistische Berichterstattung, welche die Urteilsfähigkeit der Bürger und damit die Demokratie in ihrem Kern aufhebt?

Von Herbert Ludwig

Mit dem langjährigen Rundfunk-Redakteur Martin Ruthenberg, der 25 Jahre lang für den SWR gearbeitet hat, meldet sich nach Ole Skambraks ein weiterer Mitarbeiter zum zweiten Mal zu Wort. In einer Audiobotschaft kritisiert er punktgenau die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und wirft ihnen die permanente Verletzung ihres Auftrages zu objektiver Berichterstattung vor, die Unparteilichkeit, Meinungsvielfalt und Ausgewogenheit zur Leitlinie hat (§ 11 des Rundfunkstaatsvertrages).

Am 5. Oktober 2021 hatte bereits der ehemalige Redakteur im SWR und Mitarbeiter im Programm-Management Sounddesign, Ole Skambraks, im Online-Magazin „Multipolar“ einen offenen Brief unter dem Titel „Ich kann nicht mehr“ publiziert, der laut Angaben des Autors millionenfach gelesen und in vier Sprachen übersetzt worden sei.

Am 9. Januar 2022 veröffentlichte Martin Ruthenberg bereits eine Sprachbotschaft im Internet, die seinen Angaben zufolge innerhalb weniger Tage mehrere hunderttausend Menschen erreichte. „Ich bin fassungslos vor Wut. (…) Was mich so wütend macht, ist, wie mein Arbeitgeber (der SWR) (…) berichtet hat.“

Und auch die TV-Redakteurin und Moderatorin Katrin Seibold, bis Jahresende 2021 als Reporterin & Autorin bei ZDF/3sat „Kulturzeit“ beschäftigt, ging an die Öffentlichkeit. Sie „sprach am 19. Februar 2022 in einem Video mit dem Schauspieler Cem Ali Gültekin, das auf der Website und YouTube-Kanal von #allesdichtmachen herauskam. Mit ihrem Auftritt am 22. Februar 2022 bei BILD in „Viertel nach Acht“ landete sie auf Rang 2 meistgeklickten deutschsprachigen YouTube-Videos mit rund 507.000 Zuschauern am 23. Februar 2022.

(Auf Platz 1 war „Putins „Kriegserklärung“: Ukraine-Krise! Russischer Präsident schockt den Westen. Welt Newsstream“. Quelle: Meedia.de) In Österreich sprach sie mit Elsa Mittmannsgruber von AUF1 und am 24. Februar 2022 mit Jens Lehrich in FAIRTALK. Bis Mai 2022 erreichte sie auf diesem Wege rund 1,3 Millionen Zuschauer.“ (s. Text zum Video https://www.youtube.com/watch?v=jphtpbdI8KQ)

Die neue Audiobotschaft Martin Ruthenbergs

In seiner neuen öffentlichen Audiobotschaft ruft Martin Ruthenberg seine Kollegen dazu auf, sich an Mahnwachen vor verschiedenen Funkhäusern zu beteiligen. Und diejenigen Kollegen, die wie er den Spagat zwischen Auftrag und Wirklichkeit nicht länger ertragen wollen, ruft er auf, sich mit allen Gleichgesinnten über die Webseite https://meinungsvielfalt.jetzt/ zu verbinden.“ Hier das Transkript der Audiobotschaft Martin Ruthenbergs vom 9. Juli 2022:

Liebe Kolleginnen und Kollegen vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk,

heute ist Samstag, der 9. Juli 2022.

Ich bin Martin Ruthenberg, und vor genau einem halben Jahr habe ich mich mit einer solchen Sprachbotschaft von der einseitigen Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks distanziert. Ich habe 25 Jahre für den SWR gearbeitet und in dieser Zeit gut beobachten können, wie die Qualität der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung kontinuierlich abgenommen hat, während gleichzeitig die Arbeitsbelastung bei den meisten von uns kontinuierlich zugenommen hat.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, speziell im täglichen Nachrichtengeschäft, dass es nahezu unmöglich ist, die eigene Arbeit zu hinterfragen, wenn wir im Halbstundentakt neue Sendungen fertigstellen. Und ich habe volles Verständnis für diejenigen unter Euch, die einfach keinen Bock haben, Themen nachzurecherchieren, wenn sie nach Hause kommen und eine Arbeitsschicht hinter Euch liegt, die Euch häufig über Eure Grenzen hinweg gefordert hat. Oft ruft dann einfach nur noch das Bett.

Das allein erklärt allerdings noch nicht, warum der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine kritische Berichterstattung Anfang 2020 weitestgehend eingestellt hat. Das ist eine Tatsache, die eigentlich jedem auffallen musste, der bereit ist, wirklich kritische Fragen zu stellen. Ihr könnt diese Tatsachen leugnen, Ihr schafft sie damit aber nicht aus der Welt.
Tatsache ist auch, dass innerhalb von ARD und ZDF immer wieder Weisungen von oben erfolgen, bestimmte Themen nicht oder nicht mehr anzufassen. Nun kann es sein, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass Ihr sowas noch nicht erlebt habt. Mir sind solche Fälle bekannt, und sie dürften lediglich die Spitze eines Eisbergs sein.

Manche von Euch werden nun sagen: Das ist nichts Neues; das hat es schon immer gegeben; das hat mit dem Einfluss der politischen Parteien auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu tun. Ja, damit habt Ihr Recht. Der Einfluss der politischen Parteien ist einer der grundlegenden Fehler in der derzeitigen Konstruktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Das erklärt noch nicht, warum der öffentlich-rechtliche Rundfunk seit mehr als zwei Jahren nur noch die Meinung der Regierung verkündet, anstatt sie kritisch zu begleiten und auch abweichende Meinungen zu Wort kommen zu lassen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird seinem in unserer Verfassung verankerten Auftrag nicht mehr gerecht, seitdem 2019 die „Trusted News Initiative“ gegründet worden ist mit dem Ziel, sogenannte Falsch-Informationen zu unterdrücken. Die „Trusted News Initiative“ ist ein Zusammenschluss großer internationaler Nachrichten-Agenturen, internationaler Zeitungen, fast aller großen Tech-Konzerne und der Europäischen Rundfunkunion, zu der auch ARD und ZDF gehören. Ihr könnt das auf der Webseite der BBC nachlesen.

Diejenigen von Euch, die nun sagen, dass es gut ist, wenn falsche Informationen unterdrückt werden, haben ein anderes Verständnis von Journalismus als ich. Meine Worte richten sich an diejenigen unter Euch, die sich nicht diktieren lassen wollen und lieber selbst herausfinden, was richtig oder falsch ist. Diese Kolleginnen und Kollegen frage ich: Wie lange wollt Ihr es noch mitverantworten, dass Menschen ausgegrenzt oder ignoriert werden, als asozial beschimpft, als Spinner herabgewürdigt, als Falscher geframt oder als Nazis diffamiert? – Nur weil sie eine Meinung vertreten, die nicht zum offiziellen Narrativ passt. Könnt Ihr immer noch ruhig schlafen, obwohl Euer Verhalten dazu beiträgt, dass dies in Deutschland tagtäglich vielfach geschieht? –

Ich konnte es im Herbst des vergangenen Jahres endgültig nicht mehr. Damals habe ich aufgehört, für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in seiner heutigen Form zu arbeiten. Stattdessen setze ich mich für einen neuen, am Gemeinwohl orientierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein. Der SWR hat mir deswegen inzwischen zwei Abmahnungen geschickt.

Ja, es kann gut sein, dass mir nach dem 14. Juli fristlos gekündigt wird. An diesem Tag versammeln sich viele Menschen, die einen unabhängigen Rundfunk wollen, der die Vielfalt der Meinungen in unserer Gesellschaft widerspiegelt, vor einem Funkhaus in Ihrer Nähe, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Form einer Mahnwache an ihren in unserer Verfassung verankerten Auftrag zu erinnern.

Diejenigen Kolleginnen und Kollegen, die wie ich den Spagat zwischen Auftrag und Wirklichkeit nicht länger ertragen wollen, rufe ich auf, sich mit allen Gleichgesinnten zu verbinden über die Webseite meinungsvielfalt.jetzt.“

Bild: On Air mit offenem Mikrofon
Autor: Andy Leung
Quelle: pixabay.com
Lizenz: public domain
Textquelle

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