StartDie gute NachrichtIn norwegischen Seen gefundene Bakterien können Plastik schnell abbauen

In norwegischen Seen gefundene Bakterien können Plastik schnell abbauen

Wie jetzt bekannt wurde, haben Umweltschützer aus Großbritannien und Deutschland in norwegischen Seen mehrere Bakterienstämme entdeckt, die sich von Plastik ernähren und dieses daher schnell zersetzen können.

Von Jürgen Apitzsch

Diese Mikroben sind im Stande, die Beseitigung von Plastikmüll auf natürlichem Wege beschleunigen. Die Arbeit wurde in der wissenschaftlichen Fachzeitung Nature Communications veröffentlicht. Das Ergebnis wurde am Dienstag von der Cambridge University Press bekannt gegeben.

Jedes Jahr landen rund 300 Millionen Tonnen Plastikmüll in Abwässern und auf Mülldeponien, von denen ein Großteil nicht biologisch abbaubar ist und jahrzehntelang oder sogar hunderte von Jahren weitgehend unberührt bleibt. Aus diesem Grund bezeichnen Ökologen und Ozeanologen das letzte halbe Jahrhundert wegen der großen Menge von Plastik und Mikroplastik in den Weltmeeren als das Plastikzeitalter.

Nicht, dass diese Partikel lange im Wasser blieben. Vielmehr scheint es, als würden sie von der Meeres- und Süßwasserfauna gefressen. Daher gelangt ein großer Teil davon über Fische, Schalen- und Krustentiere in unseren Körper, wo sie gewissermaßen endgelagert werden. Die riesige Anzahl der Mikroplastikpartikel macht es äußerst schwierig, die Hydrosphäre von diesem Zivilisationsmüll zu befreien.

Bakterien und Plastik

Nun haben jedoch Forscher durch Zufall Mikroben entdeckt, die in Zukunft eingesetzt werden könnten, um unsere Meere und Gewässer von Plastikmüll zu befreien. Sie stießen auf diese einmalige Chance, als sie die Artenvielfalt von Bakterien untersuchten, die in 29 skandinavischen Süßwasserseen leben.

Dabei ließ das Forscherteam Plastiktüten künstlich altern und platzierte diese in mit Seewasser gefüllte Glasflaschen, um herauszufinden, wie die Mikroben mit ihnen interagieren würden. Nach drei Tagen maßen die Wissenschaftler die bakterielle Aktivität und stellten fest, dass die Mikroben in Gegenwart von Plastik 2,29 mal schneller wuchsen als in normalem Seewasser. Dies, so fanden sie heraus, lag daran, dass die Kohlenwasserstoffe aus den Kunststoffbeuteln für die Mikroben chemisch leichter zugänglich waren als die organischen Stoffe im Seewasser und in den Schlickablagerungen am Boden.

Es handelt sich bei den winzigen Müllschluckern um Bakterienstämme der Gattungen Deinococcus und Hymenobacter. Dank der vorliegenden Studie kann künftig die Kultivierung dieser Stämme dazu beitragen, neue umweltfreundliche Ansätze zur Beseitigung von Plastikmüll und zur Reinigung der Natur von dessen Partikeln zu entwickeln, so die Wissenschaftler.

Bild: Plastikmüll unter der Meeresoberfläche
Autor: Jörg
Quelle: pixabay.com
Lizenz: public domain

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