StartKommentarUnser Gas ist schon in Polen

Unser Gas ist schon in Polen

Angeblich sind deutsche Gasspeicher leer, weil der böse Putin uns den Hahn abgedreht hat. Tatsächlich wurde das russische Gas für Deutschland in polnische Speicher umgeleitet.

Von Hermann Ploppa

Da stimmen uns Politiker und Medien ein auf einen entbehrungsreichen Herbst und Winter. Gas ist nicht mehr genug da, so heißt es. Strom wird teurer. Und an allem ist natürlich der selbstherrliche Autokrat mit der goldenen Klobürste in Moskau schuld. Wie schön dass es diesen Putin gibt! Da kann man doch wunderbar davon ablenken, dass all diese Einschränkungen hausgemacht sind. Dass diese Grausamkeiten bereits festgezurrt waren, als es noch gar keinen Ukraine-Krieg gab!

Etwas ist faul im Staate Deutschland

Ablenken kann man davon, dass die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Energie schon lange den skrupellosen Gas- und Stromdealern auf dem Silbertablett serviert wurde. Die Dealer zocken an der Börse Leipzig mit unserer Lebensqualität. Der verfassungsgemäße Versorgungsauftrag für die Allgemeinheit wird so natürlich Makulatur. Strom wird durch ein perfides System extrem profitabel gemacht. Haben Sie schon mal gehört, dass zur Ermittlung des Strompreises grundsätzlich der Preis des teuersten Kraftwerks auf dem Markt herangezogen wird? Im Moment arbeiten durch die künstliche Verknappung von Gas in Deutschland mit Gas betriebene Kraftwerke am teuersten.

Deswegen ist jeder Strom, den wir in Deutschland kaufen und verbrauchen, immer so teuer wie der Strom des teuersten Stromanbieters. Die Anbieter von billigerem Strom machen auf diese Weise einen gigantischen Extra-Profit. Dieses perverse Börsensystem nennt man in der Fachsprache Merit-Order. Wegen dieser systembedingten kriminellen Abzocke müssen jetzt Unternehmen in Deutschland schließen oder Kurzarbeit anmelden, weil sie die Stromrechnung nicht mehr bezahlen können. Deswegen müssen Familien in Deutschland Sozialhilfe beantragen oder sie müssen gleich den Weg zu den Tafeln antreten.

Es ist die Aufgabe der Regierenden in diesen unserem Lande, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Warum tun sie nicht ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit? Warum beenden sie nicht das perverse Börsensystem und nehmen die Stromverteilung wieder in ihre Hände, wie es sich gehört und wie es früher gewesen ist? Weil Heerscharen von Lobbyisten Regierung und Parlament ein Ohr nach dem anderen abkauen. Allzu viel Überzeugungsarbeit müssen die Staubsaugervertreter des Profitwahnsinns allerdings sowieso nicht mehr leisten.

Denn heutzutage sind ausnahmslos alle Regierungsmitglieder in industrienahen und proamerikanischen Stiftungen zu Kadern der marktradikalen Ideologie gedrillt worden. Und dasselbe gilt auch für schätzungsweise achtzig Prozent aller Bundestagsabgeordneten. Der heutige Politiker und mit ihm seine Zuträger in den Medien haben die proamerikanische marktradikale Ideologie schon mit der Muttermilch eingesogen. Gut ist demzufolge, was den Investoren und Aktienspekulanten nützt. Alles andere ist „Populismus“. Populist ist in dieser kruden Weltsicht, wer als Politiker seine Versprechungen an seine Wähler tatsächlich umsetzen will. Denn für die Elitemenschen ist das Volk einfach nur der „Pöbel“. Und der Pöbel weiß nicht, was gut für ihn ist.

In einer solchen Filterblase wird der Horizont allerdings immer enger. Die mittlerweile fünfte Generation der markradikalen Polit-Kader ist durch permanente kognitive und soziale Inzucht massiv verblödet und vermutlich nicht mal mehr in der Lage, eine kaputte Glühbirne auszutauschen. Wie König Dickbauch im Schlaraffenland überlässt man das Denken lieber anderen, in diesem Falle der Bertelsmann-Stiftung oder der Stiftung Wissenschaft und Politik. Wird schon irgendwie gut gehen. Während dessen läuft das Tagesgeschehen immer weiter aus dem Ruder. Denn wenn man die Stromversorgung kriminellen Zockern überlässt, kann es passieren, dass eine hausgemachte Gaskrise die Preise völlig aus dem Ruder laufen lässt. Dass es also zu einer verhängnisvollen Zusammenballung von üblen Faktoren kommt. Das ist jetzt gerade der Fall. Was also hat es mit dem Gasmangel auf sich? Das werden wir nun beleuchten.

Das für Deutschland bestimmte Gas war schon Weihnachten 2021 an Polen verhökert worden!

Da werden in der deutschen Presse Horrorvisionen über einen kalten Winter ohne Gas in den Heizkörpern und Industrieöfen gezeichnet. Tatsächlich sind die Gaspreise durch die Decke geschossen. Deutsche Unternehmen fahren deshalb die Produktion drastisch herunter. Und ausgerechnet grüne Spitzenpolitiker erwärmen sich plötzlich für Stein- und Braunkohle. Sogar Atomkraftwerke sind jetzt bei Grünen angesagt.

Begründet wird dieser Salto rückwärts mit dem Ukraine-Krieg und damit, dass Putin die Gaslieferungen nach Deutschland drosseln würde, um Deutschland in die Knie zu zwingen oder um die bislang gesperrte Pipeline Nord Stream 2 endlich ans Netz zu bringen. Augenblicklich sind die deutschen Gasspeicher zu zwei Dritteln gefüllt – was für diese Jahreszeit nicht eben ungewöhnlich ist. Dennoch gibt es keinen Plan, wie die Speicher für den kommenden Winter gefüllt werden können. Die Terminals für amerikanisches Fracking-Gas existieren einstweilen nur auf dem Papier. Und afrikanisches Erdgas ist noch in weiter Ferne.

Dass Deutschland beim Gas buchstäblich auf dem Schlauch steht, dafür tragen in Wirklichkeit skrupellose Gashändler und eine korrumpierte deutsche Regierung die alleinige Verantwortung. Denn das russische Gas, das für deutsche Verbraucher fest eingeplant war, wurde bereits seit Weihnachten 2021 an Polen weiter verkauft!

Wieso an Polen?

Nun, Polen hat eigentlich bis zum Jahresende noch einen Abnahmevertrag mit der russischen Vertriebsgesellschaft Gazprom. Da sich Polen aber in Zukunft nach dem Westen hin orientieren will, wurde nun schon seit Ende 2021 kein russisches Gas mehr in Polen abgenommen. Die polnische Regierung hofft darauf, dass ab dem 1. Oktober dieses Jahres norwegisches Erdgas über das Netz Baltic Pipe in polnische Haushalte geschleust wird. Um die Zeit bis zum Oktober zu überbrücken, deckte sich Polen mit russischem Erdgas über deutsche Spotmärkte ein.

Das Gas strömte also zuerst über polnisches Territorium nach Deutschland, wurde hier gelagert, um dann komplett wieder nach Polen zurückzuströmen. Aus der Sicht deutscher Händler an den Spotmärkten ein Supergeschäft mit astronomischen Gewinnspannen. Und ein Verbrechen gegen die deutsche Wirtschaft und die deutschen Verbraucher. Die Bundesregierung hätte diesen schmutzigen Deal als Vertreter des Gemeinwohls energisch unterbinden müssen. Was aber nicht geschehen ist. Nun fehlt das russische Gas, das für Deutschland bestimmt war und weiter nach Polen verhökert wurde, an allen Ecken und Enden.

Die gleichgeschaltete Mainstreampresse hält still. Nichts ist von diesem himmelschreienden Versagen zu lesen. Stattdessen wird mit dem Finger auf die Ausbesserungsarbeiten durch Gazprom an der Nord Stream 1-Pipeline gezeigt. Bundeskasper Scholz ist sich nicht zu schade, als „Experte“ vor der Nordstream 1-Zentrifuge in Mühlheim an der Ruhr den schwarzen Peter wider besseres Wissen an die Russen weiterzureichen. Unabhängig von dem eklatanten Ausverkauf von deutschem Gas an Polen werden die Forderungen immer lauter, jetzt doch endlich Nord Stream 2 für den deutschen Bedarf zu öffnen.

Bürgermeister auf der Ostseeinsel Rügen haben diese Forderung in einem offenen Brief an die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, und an den grünen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck gerichtet. Auch Klaus Ernst von der Partei Die Linke sowie AfD-Abgeordnete haben sich dieser Forderung angeschlossen. Doch die Ampelkoalition hält eisern an ihrem Suizid-Kurs fest. Wie Reinhard Mey dereinst schon textete:

„Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff!“

Also, das kommt dabei heraus, wenn König Dickbauch das Denken anderen überlässt. Für König Dickbauch sind ganz simple Zusammenhänge eine arge Überforderung. So ein simpler Zusammenhang besteht beispielsweise darin, dass man wesentlich mehr Strom erzeugen muss, wenn man auf der anderen Seite mithilfe der Politik den Bedarf nach Strom massiv anheizt. Davon handelt unsere nächste Episode.

Stromausfall vorprogrammiert, weil Regierung den Strombedarf herunter rechnet

Stellen Sie sich einfach mal vor was passieren wird, wenn mal so richtig der Strom in unserem Land ausfällt. Einmal habe ich einen richtigen Stromausfall von einer Woche miterlebt. Das war bei der legendären Schneekatastrophe zum Jahreswechsel 1978 auf 1979. Ich war zu Besuch bei meinen Eltern im schnuckeligen Reetdachhäuschen an der dänischen Grenze. Wenn der Strom ausfällt, wird es tatsächlich sehr schnell sehr elementar. Gas zum Heizen war damals genug vorhanden – aber die elektronische Steuerung war weg. Und es war damals arschkalt. Wir hatten noch einen Gasherd. So konnten wir mit einem Flämmchen eine gewisse Basiswärme von etwa fünf Grad halten. Das Gasflämmchen verschluckte aber so nach und nach den gesamten Sauerstoff im Raum.

Aber wir hatten es noch gut. Erstens war ja damals noch nicht alles und jedes elektronisch oder gar digital gesteuert. Vieles lief noch mechanisch. Heute ist ein totaler Stromausfall, der länger als zwei Tage dauert, gar nicht mehr kuschelig. Darauf haben diverse Studien in Deutschland und Österreich unmissverständlich aufmerksam gemacht. Und Marc Elsberg hat dazu sogar den Romanthriller „Blackout – Morgen ist es zu spät“ geschrieben, der zum Millionenbestseller aufgestiegen ist.

Resümee all dieser Studien: zwei Wochen ununterbrochener Stromausfall bombt uns zurück in das Mittelalter – vier Wochen Blackout, und wir befinden uns in der Steinzeit.

Es hängt ja alles am Internet. Wenn das Internet zusammenbricht, brechen auch alle elementaren Lebensfunktionen in sich zusammen. Rein zufällig hat das World Economic Forum gerade diese Situation in seinem virtuellen Manöver Cyber Polygon durchgespielt. Der Wirtschaftsjournalist Ernst Wolff schließt nicht aus, dass beim Wiederhochfahren des Internet das Bargeld und das Finanzsystem wie wir es bislang kannten, abgeschafft sein könnten, und wir uns in einer reglementierten virtuellen neuen Finanzlandschaft wiederfinden.

Ganz auszuschließen ist das leider nicht.

Gehen wir aber mal einen Schritt zurück. Wenn der Strom ausfällt, streiken die Verkehrsleitsysteme. Es käme dann zu Massenkarambolagen. Sie können Ihr Handy nicht mehr aufladen. Die Server für das Telefonieren sind auch tot. Sie haben noch Sprit für Ihr Notstromaggregat? Gehen Sie sparsam damit um. Denn tanken können Sie nicht mehr. Die Zapfsäulen laufen auf Strom, und Handpumpen sind nicht vorgesehen. Lebensmittel einkaufen? Wie das denn. Alles ist klimatisiert und vergammelt ohne Kühlung. Es gibt Notvorräte des Bundes. Die reichen für zehn Tage. Bevorratung im großen Stil ist in Zeiten der eng getakteten Lieferketten Schnee von gestern. Nach zwei Wochen gehen auch die Spritvorräte der Notstromaggregate der Krankenhäuser zur Neige. Ihre Solarzellen nützen Ihnen auch nichts, denn Sie sind ja per Gesetz gezwungen, ihren Eigenstrom in das große Netz einzuspeisen. Wenn Ede Knack kommt und ihr ausgekühltes Haus plündern will, können Sie leider keine Polizei mehr rufen.

Das sind so die Bilder, die auch immer wieder sensationslüstern über die Medien ventiliert werden. Besonders gerne malen die Presseexperten der fossilen Energien und der Atomkraftwerkskonzerne solche Bilder. Leider haben sie bei der Beschreibung des Gefahrenszenarios im Großen und Ganzen Recht. Es fragt sich nur: von welchem Ende her wird die Wurst aufgegessen? Haben wir zu wenig Atom- und Kohlekraftwerke? So viel kann man sagen: die Corona-Kampagne hat zu einer rapiden Digitalisierung geführt. Und in aller Stille haben die Superreichen wie Mister Amazon, Jeff Bezos, oder Mister Tesla, Elon Musk, die umstrittene 5G-Technologie massiv vorangetrieben.

Allein in Deutschland sind bereits 60.000 5G-Sendemasten installiert worden. Weitere 800.000 5G-Masten sind geplant. Und 50.000 Satelliten werden in niedriger Flughöhe mit den 5G-Masten kommunizieren. Jede größere Fabrik darf in eigener Regie mit 5G-Sendern bestückt werden. Dann sollen sich Roboter und autonome Fahrzeuge ohne menschliche Einwirkung auf dem Werksgelände über den optimalen Arbeitsablauf unterhalten können. Dass dabei ein monströser Stromverbrauch entsteht, darüber wird selten ein Wort verloren. Eine Studie des Stromriesen E.on rechnet vor, dass dabei alleine bis 2025 durch 5G ein Mehrbedarf von etwa 3,8 Milliarden Kilowattstunden (KWh) entstehen wird. Das entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von 2,5 Millionen Bundesbürgern. Und bis 2025 wird ja nur ein kleiner Teil der 5G-Anlagen bereits installiert sein. Und der Anteil der Computer-Rechenzentren am Gesamtverbrauch wird bis 2030 auf dreizehn Prozent ansteigen.

Der andere neue Stromfresser ist die so genannte E-Mobilität. Im Moment flüstern nur einige Tausend Elektroautos durch Deutschland. Aber im Jahre 2030 sollen bereits vierzehn Millionen E-Autos durch das Land stromern. Na und? Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose! Das ist genau das Problem. Die Stromanbieter wollen ihre flauen Verbrauchszeiten in der Nacht mit niedrigen Tarifen attraktiver machen. Wenn nun alle Deutschen ihr E-Auto ab 19 Uhr zuhause anstöpseln an die Steckdose zum Aufladen – ja, dann könnte es kribbelig werden. Der Ortsnetztrafo, der für je 50 bis 200 Haushalte die 20.000 Volt runterbricht auf verträgliche 230 Volt, könnte bei so vielen aufzuladenden Autos und E-Roller leicht die Grätsche machen. Also muss die Infrastruktur im ganz großen Maßstab fit gemacht werden für diesen gigantischen Zusatzverbrauch.

Die Planung dieser Umstrukturierung obliegt der Bundesregierung. Das Wirtschaftsministerium hatte im Jahr 2020 geschätzt, dass der Stromverbrauch von jetzt ungefähr 550 Terrawattstunden (TWh) auf 580 TWh im Jahre 2030 ansteigen wird. Nun hat das Bundeswirtschaftsministerium seine Prognose auf 665 TWh für 2030 angehoben.

Von allen Seiten heißt es nun, das sei angesichts der oben geschilderten Zunahme-Faktoren beim Stromverbrauch immer noch viel zu tief angesetzt. Der Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft setzt den Stromverbrauch für 2030 auf 700 Terrawattstunden an. Realistischer dürfte die Schätzung des Bundesverbandes Erneuerbarer Energie mit mindestens 740 TWh sein.

Warum stapelt das Wirtschaftsministerium so tief? Der Grund könnte darin liegen, dass sich die Bundesregierung verpflichtet hat, den Anteil Erneuerbarer Energien an der gesamten Stromproduktion von heute 42 Prozent auf 65 Prozent im Jahre 2030 zu steigern. Und die Regierung andererseits nicht willens ist, im gleichen Maß die Erneuerbare Energie zu fördern. Das Schema ist aus früheren Zeiten bekannt: immer wieder ließ die Bundesregierung die Erneuerbare Energie bewusst auflaufen, um dann wieder auf Atomkraft und Fossil zu setzen. Immer wieder mussten Katastrophen wie Tschernobyl oder Fukushima Kurskorrekturen zugunsten der Erneuerbaren Energien erzwingen.

Wir müssen also der Bundesregierung auf die Finger schauen, damit nicht der große Blackout schon durch eine falsche Planung quasi vorprogrammiert ist. Doch das reicht nicht. Wir müssen wieder weg von der zentralisierten globalisierten Wirtschaft mit ihren anfälligen Lieferketten. Regionalisierung und Dezentralisierung sind für uns der richtige Weg. Wenn Sie ein eigenes Haus besitzen: installieren Sie sich ein abgeschlossenes Gleichstromnetz mit Solarzellen und Autobatterie als Speicher. Kochen und heizen Sie mit Feststoffen, also am besten Holz. Bauen Sie selber Gemüse und Obst an. Dann bleibt Ihnen im Falle des Stromausfalls das Übelste erspart.

Und insgesamt betrachtet: König Dickbauch und sein Hofstaat haben fertig. Wenn sich das Volk jemals seine Macht zurückholen will, muss es das jetzt tun. Denn im Hintergrund warten bereits Leute, die den Nationalstaat komplett abschaffen wollen. Nicht um Freiheit zu schaffen, sondern um an die Stelle des Nationalstaats die neofeudale Totaldiktatur der Konzerne und Finanzkonglomerate zu setzen. Das gilt es unbedingt zu verhindern.

Das Narrenschiff: Songtext

Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm
Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm
Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine
Und Rollen und Stampfen und schwere See
Die Bordkapelle spielt: Humbatätärä
Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine

Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert
Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert
Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten
Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum
Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum
Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken
Die Mannschaft, lauter meineidige Halunken
Der Funker zu feig um SOS zu funken
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff

Am Horizont Wetterleuchten: die Zeichen der Zeit
Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit
Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfallspinsel
Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai
Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei
Auf die Sandbank bei der wohlbekannten Schatzinsel

Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon
Bordellkönig, Spielautomatenbaron
Im hellen Licht, niemand muss sich im Dunklen rumdrücken
In der Bananenrepublik wo selbst der Präsident
Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt
Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken
Die Mannschaft, lauter meineidige Halunken
Der Funker zu feig um SOS zu funken
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff

Man hat sich glattgemacht, man hat sich arrangiert
All die hohen Ideale sind havariert
Und der grosse Rebell, der nicht müd wurde zu Streiten
Mutiert zu einem servilen, giftigen Gnom
Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom
Seine Lieder, fürwahr! Es ändern sich die Zeiten

Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm
Gekauft, narkotisiert und flügellahm
Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen
Und eitle Greise präsentieren sich keck
Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck
Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken
Die Mannschaft, lauter meineidige Halunken
Der Funker zu feig um SOS zu funken
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff

Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier
Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir
Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten
Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg
Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck
Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten

Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: „Endzeit in Sicht“
Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht
Sie ziehen wie Lemminge in willenlosen Horden
Es ist als hätten alle den Verstand verloren
Sich zum Niedergang und zum Verfall verschworen
Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken
Die Mannschaft, lauter meineidige Halunken
Der Funker zu feig um SOS zu funken
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken
Die Mannschaft, lauter meineidige Halunken
Der Funker zu feig um SOS zu funken
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff

Bild: Gasspeicher
Autor: Denny Franzkowiak
Quelle: pixabay.com
Lizenz: public domain
Textquelle

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