StartWirtschaftEin bedeutender russischer Geschäftsmann stellt sich wirtschaftliche Beziehungen zu Indien vor, die...

Ein bedeutender russischer Geschäftsmann stellt sich wirtschaftliche Beziehungen zu Indien vor, die die europäischen ersetzen

Oleg Deripaska ist ein bedeutender russischer Geschäftsmann, dem ein immenser Einfluss auf die Wirtschaftsstrategie seines Landes nachgesagt wird, so dass seinen Ansichten zu diesem dringenden Thema natürlich größte Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.

Von Andrew Korybko

Auch wenn er sich nur persönlich geäußert hat, lassen seine Erkenntnisse doch darauf schließen, wie der Kreml seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Indien umfassend ausbauen will. Russlands geoökonomische Ausrichtung auf den globalen Süden als Reaktion auf die beispiellosen Sanktionen des Westens unter Führung der USA seit Beginn der laufenden militärischen Sonderoperation in der Ukraine hat Indien zum bevorzugten Partner dieser eurasischen Großmacht werden lassen.

Dieser südasiatische Zivilisationsstaat hat nicht nur entschlossen eingegriffen, um Russlands unersetzliches Ventil gegen den Druck des Westens zu werden und damit präventiv seine potenziell unverhältnismäßige Abhängigkeit von China abzuwenden, sondern er teilt auch Moskaus langfristige Vision für die bilateralen Beziehungen. Russland und Indien streben danach, in der gegenwärtigen bimultipolaren Zwischenphase des globalen systemischen Übergangs zur Multipolarität neben dem Iran einen dritten Einflusspol zu schaffen, indem sie den Nord-Süd-Verkehrskorridor (NSTC) zum Kernstück dieser großen Strategie machen.

Diese ehrgeizigen Pläne bedeuten, dass die Geo-Ökonomie die große Strategie vorantreibt, was die Einbindung prominenter Wirtschaftsvertreter erforderlich macht, um diese Politik mit Leben zu erfüllen. Hierin liegt die Bedeutung der jüngsten Äußerungen Oleg Deripaskas gegenüber der indischen Economic Times, in denen er seinen Optimismus zum Ausdruck brachte, dass die Beziehungen zu Indien letztendlich die Beziehungen ersetzen können, die sein Land zu Europa verloren hat.

Deripaska ist ein bedeutender russischer Geschäftsmann, dem ein immenser Einfluss auf die Wirtschaftsstrategie seines Landes nachgesagt wird, so dass seinen Ansichten zu diesem dringenden Thema natürlich größte Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Auch wenn er nur in seiner persönlichen Eigenschaft spricht, gibt er doch einen Hinweis darauf, wie der Kreml seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Indien umfassend ausbauen möchte.

Um seine Vision zu verwirklichen, schlug er vor, „direkte Handelsabkommen zu schließen, neue Logistikrouten und die dazugehörige Infrastruktur zu entwickeln, die Zollverfahren zu beschleunigen und zu digitalisieren, beiden Seiten Zugang zu den Schulden- und Kapitalmärkten zu verschaffen, eine Finanzinfrastruktur zu schaffen, um den Handel und die Handelsfinanzierung zu erleichtern, und die nationalen Währungsumtauschverfahren der Zentralbanken zu rationalisieren.“

Deripaska schlug auch vor, „Produktionsstätten in Indien zu lokalisieren und sie mit russischen Rohstoffen im Gegenzug für einen Teil der fertigen Produkte zu beliefern.“ Auch wenn dies in dem Interview nicht ausdrücklich erwähnt wird, sollte davon ausgegangen werden, dass die NSTC über den Iran zum wichtigsten Wirtschaftskanal für die Erleichterung des russisch-indischen Handels wird, so dass auch dort das Potenzial für gemeinsame Projekte gegeben ist.

Erwähnenswert ist auch, dass Diplomaten beider Großmächte kürzlich zusammenkamen, um eine Ausweitung ihrer Zusammenarbeit in der Arktis zu erörtern, die einen Teil des russischen Fernen Ostens darstellt, in dem Moskau um mehr ausländische Investitionen aus asiatischen Ländern wie Indien werben möchte. Auf dem nächsten Östlichen Wirtschaftsforum (EEF) im September werden die beiden Mächte diese Möglichkeiten wahrscheinlich genauer erkunden, um gemeinsam einen umfassenden geoökonomischen Aktionsplan für diese riesige Region zu erstellen.

Der Vladivostok-Chennai Maritime Corridor (VCMC) kann sich eines Tages bis in die Arktis ausdehnen und so einen ergänzenden Seekorridor für den indisch-europäischen Handel schaffen, der den Engpass des Suezkanals genauso umgeht wie der NSTC. Selbst wenn dies nicht sofort zustande kommt, ist Indien sehr an den natürlichen Ressourcen der Region interessiert.

Es ist von höchster Priorität, dass Russland sein weit entferntes Territorium so schnell wie möglich erschließt. Daher ist es wichtig, dass sein besonderer und privilegierter strategischer Partner Indien in dieser Hinsicht die Führung übernimmt. Derispaska ist sich der Bedeutung eines umfassenden Ausbaus der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen bewusst, doch hätte es seinem Interview gut getan, wenn er mehr über den geografischen Aspekt gesprochen hätte, etwa über die wachsende Rolle des NSTC, des VCMC und der Investitionen in der Arktis.

Nichtsdestotrotz sind seine Ausführungen für die indischen Medien von Bedeutung, denn die große strategische Vision, die er in Bezug auf das Ziel erläuterte, dass Indien eines Tages die EU im bilateralen Handel mit Russland ablösen soll, ist das Ziel, das Moskau im kommenden Jahrzehnt verfolgen wird.

Natürlich war es aus geografischen Gründen einfacher, eine komplexe gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit zwischen seinem Land und der EU zu schaffen, als dies mit Indien der Fall sein wird, aber das bedeutet nicht, dass seine Vision unerreichbar ist. Vielmehr kann man argumentieren, dass sie sogar nobler ist als die seiner Vorgänger, die für die Schaffung der erstgenannten, aber letztlich erfolglosen regionalen Wirtschaftsgemeinschaft verantwortlich waren, da sie eine Süd-Süd-Kooperation beinhaltet und somit den globalen Systemwechsel zur Multipolarität vorantreibt, anstatt zu versuchen, Russland in ein Mitglied der Goldenen Milliarde des US-geführten Westens zu verwandeln. Zugegeben, Moskau hatte nie die Absicht, seine Interessen Washington unterzuordnen und strebte lediglich eine für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit mit gleichem Respekt an, aber es ist immer noch besser, als wenn es sich heute auf den globalen Süden konzentriert.

Je mehr sich die russisch-indischen Wirtschaftsbeziehungen ausweiten, sei es auf bilateraler Ebene oder über Drittländer wie den gemeinsamen strategischen Partner Iran, desto schneller wird sich die Multipolarität in Eurasien etablieren. Sie ist bereits eine Kraft, mit der man rechnen muss, und zwar eine unumkehrbare, aber sie erfordert mehr Gewicht in Bezug auf die geoökonomische Dimension der russischen großen Strategie, um einen bedeutsameren Einfluss auf das Leben aller zu haben.

Deshalb ist es so wichtig, dass dieser große russische Geschäftsmann, der entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaftspolitik seines Landes hat, seine ehrgeizige Vision für die Handelsbeziehungen mit Indien mitteilte. Natürlich wird es einige Zeit dauern, bis sie in Kraft tritt, aber so wie Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, wird es auch die Multipolare Weltordnung nicht sein oder der dritte Einflusspol, den Russland, Indien und der Iran gemeinsam schaffen wollen.

Bild: Indische Rupien
Autor: rupixen
Quelle: pixabay.com
Lizenz: public domain
Textqulle

RELATED ARTICLES
- Advertisment -
Google search engine

Most Popular

Recent Comments